Stuttgart-Vaihingen Kauf der Seen sei eine Kostenfalle für Angler

Von Götz Schultheiss 

Die CDU in Stuttgart-Vaihingen wollte verhindern, dass Anglervereine und Investoren zwei Seen im Bezirk erwerben. Doch die winken sowieso ab. Denn sie sehen in den Gewässern ein Millionengrab.

Der Katzenbachsee gehört der EnBW-Tochter Netze BW, die Fischereirechte gehören dem Land. Auch dadurch ist der Kauf  für Anglervereine uninteressant. Foto: Sandra Hintermayr
Der Katzenbachsee gehört der EnBW-Tochter Netze BW, die Fischereirechte gehören dem Land. Auch dadurch ist der Kauf für Anglervereine uninteressant. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Die Netze BW, eine Tochter der EnBW, haben den Katzenbachsee und den Steinbachsee immer noch nicht verkauft. Das Unternehmen hatte diesbezüglich mit der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Württembergischen Anglerverein verhandelt. Vaihinger CDU-Bezirksbeiräte hatten den Kauf der Seen durch die Stadt sei Langem vehement gefordert. Damit solle die Funktion der Seen, nämlich Naherholung, Landschaftsbild und Hochwasserschutz, auf eine sichere Basis gestellt werden. „Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, die Seen Sportvereinen mit unklarem finanziellen Hintergrund oder Investoren mit unklaren Absichten zu überlassen“, argumentierten die CDU-Bezirksbeiräte.

Die Seen müssten ständig instandgehalten werden

Die Formulierung „Sportvereinen mit unklarem finanziellen Hintergrund“ hat den Vorsitzenden des Württembergischen Anglervereins Hans-Hermann Schock auf die Palme gebracht. Sein Verein fühle sich verleumdet. „Selbst ein Verkaufspreis von einem Euro wäre zu teuer“, schrieb der Vorsitzende Hans-Hermann Schock jüngst unserer Zeitung. Es handele sich bei beiden Seen um Stauseen, die der EU-Norm unterlägen. Sie seien saniert worden, müssten aber ständig inspiziert und instandgehalten werden: „Da fallen Kosten im sechsstelligen Bereich an. Außerdem müssen die Dämme versichert sein. Auch diese Versicherungen sind extrem teuer.“

Schock erinnert an ein Ereignis vor einigen Jahren. Nur durch das rasche Eingreifen von EnBW-Mitarbeitern sei der komplette Dammbruch verhindert worden: „Die Überschwemmung ging durch das Mahdental und bis nach Vaihingen durch das Freibad. Anschließend musste der schwer beschädigte Damm wieder instand gesetzt werden. Bei den zu erwartenden Starkregen kann dies jederzeit wieder passieren.“

Zu dem Verkaufsgelände gehöre der neue Hangkanal zum Neuen See mit allen Bauwerken: „Nach meiner Information steht der Kanal unter Denkmalschutz. Er muss erhalten und unterhalten werden. Beides sei kostspielig: „Das sind Risiken in Millionenhöhe, die der Käufer einkauft.“ Für Anglervereine seien die Gewässer auch ohne die Kostenrisiken uninteressant: „Die Fischereirechte gehören dem Forst Baden-Württemberg. Sie können deshalb nicht mitverkauft werden.“

Das Land habe die Fischereirechte

„Die Schilderung von Herrn Schock trifft im Wesentlichen zu“, sagt der EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth. Der teilweise Dammbruch am Katzenbachsee sei durch eine verstopfte Hochwasserentlastung ausgelöst worden: „Dies kann sich nach Auskunft unserer Fachleute so nicht mehr wiederholen.“ Der See gehöre der Netze BW, welche die Schieber und sonstigen Bauwerke betreibe und Proben des Wassers nehme. Die Fischereirechte gehörten dem Land, und der Pächter des Sees sei der Württembergische Anglerverein. Für die Wasserqualität sei das Amt für Umweltschutz im Auftrag des Landes zuständig.

Zu den bisherigen und weiteren Verkaufsverhandlungen äußert sich der Konzernsprecher vage: „Unsere Preisvorstellungen wurden von einem Gutachter ermittelt. In puncto Verkaufspläne gibt es nichts Neues.“

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