Berlinger (Heike Makatsch) hat mit ihrem Kollegen Rascher den Tod einer reichen, älteren Witwe aufzuklären. Dabei muss sie lernen, ihren kriminalistischen Instinkt genauso zu hinterfragen wie ihre Rollenklischees.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)

Was taugt „In seinen Augen“? Der neue „Tatort“ aus Mainz im Schnellcheck.

Die Handlung in zwei Sätzen Eine reiche, ältere Witwe stirbt an einem Insulin-Schock mit Verdacht auf Fremdeinwirkung. Für Ellen Berlinger (Heike Makatsch) steht fest: Der Galan und Ex-Knacki Hannes Petzold (Klaus Steinbacher) wollte sich das Erbe erschleichen. Dass sich ein Vater-Sohn-Drama hinter dem Fall verbirgt, haben sie und Kollege Rascher (Sebastian Blomberg) viel zu spät im Blick.

Zahl der Leichen 1.

Realitätsferne Die verhängnisvollen Querbeziehungen zwischen der Tochter der Staatsanwältin und dem Sohn von Petzold wirken megakonstruiert.

Zitat „Wenn ein Ex-Kanzler eine fünfte Frau ehelicht, die seine Tochter sein könnte, dann ist das spätes Liebesglück, wenn aber einer alten Schachtel wie mir dieses Glück widerfährt, geht’s natürlich nur ums Geld“, empört sich die graue Maus Charlotte (Michaela May) über Rollenklischees, denen auch Ellen Berlinger anheimfällt.

Frauenbilder Anstatt solche Schablonen zu hinterfragen, bekräftigt Autor Thomas Kirchner sie noch: Charlotte backt dem jungen Lover Nusskuchen und zitiert Schiller, ihre Freundin Bibiana (Ulrike Krumbiegel) steht auf Sadomaso-Spielchen.

Unser Fazit „In seinen Augen“ scheint anfangs eine altbekannte Konstellation routiniert durchzuspielen, erweist sich aber als zunehmend vielschichtig. Dem Zuschauer wird jedoch ein bisschen arg viel Toleranz abverlangt, was Plot-Plausibilität und überkommene Rollenklischees angeht.

Spannung Note 3; Logik Note 4