Theater der Lebenshilfe Der gestiefelte Kater kommt auf die Bühne

Von Regine Brinkmann 

Theaterprobe bei der Lebenshilfe: Gut eine Woche vor der Premiere ist das Ensemble sehr gut eingespielt.

Ein Kater namens Einstein mit einem IQ von 180 – darum geht es im Stück der Lebenshilfe. Foto: factum/Andreas Weise
Ein Kater namens Einstein mit einem IQ von 180 – darum geht es im Stück der Lebenshilfe. Foto: factum/Andreas Weise

Leonberg - Endspurt bei den Proben für das neue Stück der Lebenshilfe: Eine Woche vor der Premiere probt das Ensemble der inklusiven Theatertruppe „alledabei“ das erste Mal in dieser Spielzeit auf der Theaterbühne im Spitalhof.

Ein Kater namens Einstein mit einem IQ von 180 – das gibt es nur auf der Bühne des inklusiven Theaters „alledabei“ der Leonberger Lebenshilfe. Den Grimmschen Märchenwald hat dieser gestiefelte Kater weit hinter sich gelassen, geboren wurde er in der Neufassung von Elisabeth Kolofon von der Wissenschaft. Was seinem Charme allerdings in keiner Weise schadet, und Peter Neumann alias Kater Einstein trägt sein gestreiftes Outfit wie eine zweite Haut. Auch Sandra Pregitzer räkelt sich als Hofkatze Kitty im fetzigen Leoparden-Look gekonnt zu Füßen der königlichen Familie, die auf der Suche nach einem Bräutigam für die heiratsunwillige Prinzessin Rosalie ist.

„Egal, ob du ein Prinz bist“

Zwar führt Kater Einstein den einsamen Jerome listig als Grafen am königlichen Hof ein, doch es kommt ganz anders, als man denkt. Frei nach Einsteins Relativitätstheorie, die, wie alle Wahrheiten, ganz simpel ist: „In der Liebe ist es relativ egal, ob du ein Prinz bist oder nicht.“ Dabei denkt der Streuner zwar weniger an Jerome und Rosalie als an die kratzbürstige Hofkatze Kitty, doch auch bei den Zweibeinern stellt sich dieses Wort schlussendlich als wahr heraus.

Der gestiefelte Kater – reloaded ist nur in den Grundzügen dem Märchen mit der gewitzten Samtpfote nachempfunden, die dafür sorgt, dass der arme, aber gutherzige Müllerjunge die schöne Prinzessin heiratet. Dafür glänzt das Stück mit jeder Menge Witz und humorvoll verpackten Gegenwartsbezügen von Genmanipulation bis Brexit.

Gut eine Woche vor der Aufführung ist das Ensemble schon sehr gut eingespielt, auch wenn es in diesem Jahr einige Katastrophen zu bewältigen gab: „Gleich zwei Schauspieler sind kurzfristig ausgefallen, beides große Rollen. Und das drei Wochen vor der Premiere“ erzählt Veranstalterin Elisabeth Kolofon. Doch die Truppe hat beides gemeistert, für den Bauernburschen Jerome ist Sebastian Kolofon eingesprungen. „Eigentlich dachte ich, wir müssten Sebastian mit Spickzetteln ausstatten. Aber er hat sich richtig ehrgeizig dahintergeklemmt und seine Rolle in kurzer Zeit auswendig gelernt“, freut sie sich.

Kurzfristige Beförderung

Fabian Schuster von der Stuttgarter Theater-Akademie dagegen ist kurzfristig in den Adelsstand erhoben worden, er hat spontan die Rolle des Prinzen übernommen und genießt seinen ersten Ausflug ins inklusive Theater sichtlich.

Das inklusive Theater der Lebenshilfe führt in diesem Jahr das vierte Theaterstück frei nach den Gebrüdern Grimm auf. Schauspieler mit Behinderung spielen zusammen mit den Schauspielern der „Bühne 16“, einem Laientheater. Die Regisseurin der „Bühne 16“, Annalies Müller, unterstützt das Ensemble der Lebenshilfe von Anfang an: „Eine inklusive, gemischte Theatertruppe ist sehr selten“, weiß sie, „es hat mich gereizt, hier mitzumachen“. Auch die leitende Theaterpädagogin Lisa Milde ist seit der Gründung der bunten Theatertruppe im Jahr 2016 dabei.

Nach einer starken Stunde, in der das Stück zum ersten Mal komplett durchgespielt wurde, ist Annalies Müller mit der Probe auf der Spitalhof-Bühne zufrieden: „Vor allem die Darsteller der Katzen sind enorm gewachsen“, konstatiert sie.

„Inklusion ist uns wichtig“

Musikalisch begleitet wird das Stück von Elisabeth Kolofon am Akkordeon, Hermann Münch an der Gitarre und Michaela Likar mit der Querflöte. Am Ende kommen alle elf Schauspieler zum schwungvollen Schlusstanz auf die Bühne. Hier wird noch die Aufstellung diskutiert, verschiedene Varianten werden ausprobiert. Doch welche es am Schluss auch sein wird, für das Ensemble zählt nur eines: „Inklusion ist uns wichtig. Aber mindestens genauso wichtig ist uns allen, dass wir unser Publikum gut unterhalten!“ Und dafür geben die engagierten Theatermacher auf und hinter der Bühne alles.




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