Unfall in Waldenbuch Antworten auf Fragen zu Absturz 1945

Die Gedenkfeier fand im kleinen Kreis statt. Foto: Carolin Ziegler
Die Gedenkfeier fand im kleinen Kreis statt. Foto: Carolin Ziegler

Im Januar 1945 ist bei Waldenbuch ein Flieger der Royal Canadian Air Force abgestürzt. Angehörige waren nun vor Ort und haben etwas Neues zu damals erfahren.

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Waldenbuch - Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im Januar 1945, stürzte ein schwer getroffener Lancaster-Bomber der Royal Canadian Air Force mit einer siebenköpfigen Crew über Waldenbuch im Landkreis Böblingen ab. Nur zwei Piloten überlebten schwer verletzt, fünf der sieben Crewmitglieder starben bei dem Unfall. So auch der damals 19-jährige Kanadier Fernand L. Jolicoeur. „Die Erinnerung an Fernand ist in meiner Familie noch lange lebendig geblieben. Sein Tod lässt uns bis heute nicht los“, sagt Jolicoeurs Großneffe, Jean-Pierre Gendreau-Hétu. Jahrelang hat sich der 55-jährige Kanadier mit dem Schicksal seines verstorbenen Großonkels auseinandergesetzt. Er möchte herausfinden, was damals passiert ist und wo genau der Unfall sich zugetragen hat. Nun hat seine Familie endlich Antworten auf offen gebliebene Fragen bekommen.

Der Heimatforscher Härtel hat recherchiert

Über Umwege ist Gendreau-Hétus Anfrage an den Waldenbucher Heimatforscher Wolfgang Härtel gelangt. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Nachforschungen anzustellen und die exakte Absturzstelle zu lokalisieren. Durch seine akribische Recherche und mithilfe verschiedener Berichte in den lokalen Medien konnte Härtel über 30 Zeitzeugen ausfindig machen, die sich an den Tag des Absturzes erinnern. „Es kamen viele neue Details ans Licht“, berichtet der 76-jährige Heimatforscher. „Auch Flugzeug-Bruchstücke sind aufgetaucht, die einer Lancaster zugeordnet werden konnten.“ Auf Grundlage der Zeugenberichte sowie anhand der Fundorte der Flugzeugteile konnte schließlich die Unfallstelle identifiziert werden, so Härtel.

Zusammen mit einigen Familienmitgliedern ist Gendreau-Hétu am 16. August nach Waldenbuch gereist, um die Absturzstelle zu besuchen und den Opfern zu gedenken. „Heute ist ein wichtiger Tag für meine Familie“, sagt er. „Jahrelang hatte ich das Gefühl, ich muss den Ort des Unfalls selbst sehen. Jetzt kann ich das endlich tun – dadurch wird Fernands Tod konkret.“ Für die Gedenkfeier in kleinem Kreis wurden an der Absturzstelle Wimpeln der kanadischen Flagge in den Boden gesteckt, die die Umrisse des abgestürzten Bombers illustrieren sollen. „Wir wissen nun ungefähr, wie der Unfall sich zugetragen hat“, erläutert Härtel. „Doch es sind trotzdem noch viele Fragen offengeblieben. Meine Recherche soll als Grundlage für die Familie dienen, weitere Antworten zu finden.“

Die exakten Daten der Unfallstelle werden bewusst nicht publik gemacht

In der Nähe der Unfallstelle, deren exakte Koordinaten bewusst nicht publik gemacht werden, werde in den kommenden Wochen noch eine Gedenktafel aufgestellt. „Der heutige Tag soll eine Gelegenheit für die Familie sein, Abschied zu nehmen“, so Härtel. „Die gefundenen Flugzeugteile überlassen wir der Familie von Fernand L. Jolicoeur, zum Gedenken an den Großonkel.“

Auch der Bürgermeister der Stadt Waldenbuch, Michael Lutz, war für die Gedenkfeier an der Unfallstelle. „Wenn man die Chance hat, einer Familie Antworten zu geben, dann sollte man das tun“, sagt er. „Ansonsten wird ihre Geschichte irgendwann vergessen. Fernand starb, kurz bevor der Krieg endete. Er gab sein Leben für den Frieden. Der heutige Tag soll auch ein Tag des Friedens sein, und ein Tag des Gedenkens.“

Weitere Infos gibt es unter: www.alt-waldenbuch.de




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