US-Truppen und Göppingen Elvis lässt grüßen

Von Sabine Riker 

Panzerkolonnen brachen zum Manöver auf und Militärparaden fanden statt, bis die US-Truppen Göppingen verließen – für immer.

Der Eingang zu den Göppinger Cooke Barracks, dem heutigen Stauferpark,  wurde streng bewacht. Auch daran erinnert eine Schau im Museum Storchen. Foto:  
Der Eingang zu den Göppinger Cooke Barracks, dem heutigen Stauferpark, wurde streng bewacht. Auch daran erinnert eine Schau im Museum Storchen. Foto:  

Göppingen - Ein wichtiges Kapitel Göppinger Geschichte ist vor einem Vierteljahrhundert zu Ende gegangen: die Amerikaner schlossen die Cooke Barracks und verließen nach 47 Jahren endgültig die Stadt. „Das war ein tiefer Einschnitt“, sagt Karl-Heinz Rueß, der Leiter des Archivs und der Museen der Stadt. Eine Ausstellung im Stadtmuseum lässt die Jahre von 1946 bis 1992, in denen amerikanische Truppen im heutigen Stauferpark stationiert waren, Revue passieren. Auf historischen Fotos sind Militärparaden und Panzerschauen genauso zu sehen wie von den Amerikanern organisierte Seifenkistenrennen, die bis zu 15 000 Schaulustige anzogen, oder aber Heimkehrer aus dem Irakkrieg im Jahr 1991. Zwei Räume sind dem wohl schmucksten GI gewidmet, der Göppinger Boden allerdings nie betreten hat: Elvis Presley. Verantwortlich für diesen Teil der Ausstellung ist der Göppinger „Elvis will never die Fan Club“.

Panzerkolonnen brachen zum Manöver auf

Dass 25 Jahre eine lange Zeit sind, machen viele der historischen Aufnahmen deutlich. Heute ist kaum noch vorstellbar, dass nachts auf dem Gelände oberhalb der Stadt Panzerkolonnen ins Manöver aufbrachen oder amerikanische Militärfahrzeuge ganz selbstverständlich durch die Stadt fuhren. In den Jahren bis 1992 gehörte das zum Alltag. Allerdings war das deutsch-amerikanische Verhältnis bei aller Freundschaft wohl eher distanziert. Das Leben der amerikanischen Soldaten spielte sich hauptsächlich in den Cooke Barracks ab. „Das war eine Stadt in der Stadt. Es gab eine Kirche, einen Supermarkt, Restaurants, eine Klinik“, sagt Rueß. Trotzdem umwarben Göppinger Geschäftsleute die Amerikaner als potenzielle Kunden. In einer Vitrine findet sich eine Broschüre mit dem Titel „This is Goeppingen“ mit Anzeigen von Geschäften. „Von denen existiert fast keines mehr“, stellt Rueß fest. Daneben liegen Heftchen mit teils kuriosen Tipps, wie ein GI in Deutschland am besten zurechtkommt. Beispielsweise wurde vor Kühen gewarnt, weil ein Drittel der Tiere Tuberkulose habe.

Jobs und Kunden gingen verloren

Dass die Schließung der Cooke Barracks auch wirtschaftliche Folgen für die Stadt hatte, liegt auf der Hand. Durchschnittlich 3000 Soldaten waren im heutigen Stauferpark stationiert, am Schluss waren es immerhin noch 1500. Dazu kamen deren Familien, aber auch 300 bis 400 Zivilbeschäftigte aus der Umgebung. Sie verloren mit dem Abzug der US-Armee ihre Jobs, und die Geschäfte verloren Kunden.

Die Ausstellung mit dem etwas sperrigen Titel „Die Amerikaner in Göppingen und Elvis als GI in der Wirtschaftswunderzeit“ beleuchtet auch die Jahre vor der amerikanischen Besatzung. 1929 legte der Unternehmer Carl Hommel auf der sogenannten Großen Viehweide einen Privatflugplatz an. Dem Busunternehmer schwebte vor, dort das modernste Angebot zur Personenbeförderung zu etablieren. Es kam anders: Die Nationalsozialisten errichteten auf dem Gelände einen Fliegerhorst. Auch hierzu hat Rueß interessantes Foto- und Filmmaterial zusammengetragen. Bevor die US-Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg auf das Areal zogen, wurde es als Lager für sogenannte Displaced Persons genutzt. „9000 bis 10 000 Menschen lebten da, einmal ist sogar von 14 000 die Rede“, sagt Rueß. Auch zu diesem Kapitel gibt es ein denkwürdiges Foto: Es zeigt amerikanische Abgeordnete, die eigens nach Göppingen gereist waren, um sich selbst ein Bild von den Nöten dieser durch Krieg und Vertreibung heimatlos gewordenen Menschen zu machen.