Veränderungen im Strohgäu Im Pfarramt bleibt das Licht aus

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Strohgäu
Im evangelischen Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen wechseln viele Pfarrerinnen und Pfarrer in den nächsten Wochen ihren Arbeitsplatz. Damit sind die ersten Auswirkungen des Stellenkürzungsplans bald spürbar – obwohl der Plan bis 2024 läuft.

Elke Kaltenbach-Dorfi verlässt die Gemeinde Petrus und Lukas in Gerlingen. Foto: factum/Simon Granville
Elke Kaltenbach-Dorfi verlässt die Gemeinde Petrus und Lukas in Gerlingen. Foto: factum/Simon Granville

Strohgäu - Die meisten haben eine Chance genutzt: Für einen neuen Abschnitt im Berufsleben, für ein Sabbatjahr oder den Ruhestand. Im evangelischen Kirchenbezirk zwischen Gerlingen im Süden und Sachsenheim im Norden gibt es Veränderungen auf zehn Pfarrstellen. Das trifft auch die Seelsorger, die bleiben. Am deutlichsten werden die Veränderungen in Gerlingen zu spüren sein. Aber auch die Gemeinden im Norden des seit Jahresbeginn fusionierten Kirchenbezirks werden mit weniger Pfarrern auskommen müssen – während der Vakanzen und auf Dauer.

Im Süden des neuen Bezirks gibt es demnächst die erste Änderung. Die Klinikpfarrerin Anna-Lena Frey, die auch in der Gerlinger Matthäusgemeinde mitarbeitete, geht zum 1. Juli in den Ruhestand. Die Nachbargemeinde Petrus-Lukas verliert kurz darauf zwei Seelsorger: Die Pfarrerin Elke Kaltenbach-Dorfi nimmt eine Auszeit, um sich um ihre Enkel kümmern zu können und damit deren Eltern zu entlasten. Sie werde nicht zurückkehren, sondern sich vom Hohenlohischen aus, wohin sie im August ziehen wird, eine neue Stelle suchen. „Ich liebe kleine Kinder“, erklärt Kaltenbach-Dorfi, die seit 2012 in Gerlingen ist, „das hat sich so gefügt. Ich habe mich hier ausgesprochen wohl gefühlt.“

Pfarrer wird Gemeindeberater

Ihr Kollege Jochen Helsen, seit zwölf Jahren in der Gemeinde, tritt im Herbst eine neue Stelle an: Er wird Kirchengemeinden beraten, die über neue Arbeitskonzepte oder über den Umgang mit Pfarrstellenreduktionen nachdenken. „Das gibt mir die Möglichkeit, nach 30 Jahren in der Gemeinde etwas ganz Neues zu machen“, sagt der 57-Jährige. Er habe selbst solche Prozesse aktiv mitgemacht. Seine eigene Stelle wird im Rahmen des Pfarrplans 2024 gestrichen. Er sei zuversichtlich, sagt der geschäftsführende Pfarrer Martin Weeber, dass die eine verbleibende Stelle bald wieder besetzt werde. Gleichwohl kämen auf seine verbleibende Kollegin und ihn anstrengende Zeiten zu.

Auch in Ditzingen gibt es Veränderungen: Im April hat Renate Egeler die Gemeinde in Hirschlanden verlassen, Markus Joos in Heimerdingen geht Ende August, und Traugott Plieninger hat seine Stelle im Dekanat bereits an Pfingsten verlassen. Und die Stelle in Kallenberg, dem kleinen Stadtteil von Korntal-Münchingen, ist auch schon eine Weile vakant.

Reiner Zeyher, der Dekan in Vaihingen, muss mit noch mehr Änderungen umgehen. Friedemann Wenske verlässt Kleinsachsenheim Ende August, das Pfarrerehepaar Elke und Ulrich Gratz beendet seinen Dienst in Oberriexingen im November. Und die Stelle in Eberdingen-Nussdorf ist noch immer unbesetzt – obwohl sie zweimal ausgeschrieben wurde. Ein Vertretungspfarrer, so Zeyher, werde im August für neun Monate beginnen.

Stellenbesetzung dauert lange

Erfahrungsgemäß dauert es ein halbes Jahr oder noch länger, bis eine Pfarrstelle wieder besetzt wird. Diese massierten Wechsel und monatelang unbesetzte Pfarrämter werden auch an der Basis zu spüren sein. Beispielsweise dadurch, dass Gottesdienstzeiten verlegt werden – so kann ein Pfarrer in Nachbargemeinden an einem Sonntag zwei Gottesdienste hintereinander halten. Nach Zeyhers Worten werden die Gemeindemitglieder „wahrnehmen, dass es weniger Pfarrer gibt“. Er freue sich aber, so der 62-Jährige, dass nicht nur gejammert werde. „Es gibt Gemeinden, die einen Wechsel zum Anlass für neue Konzeptionen nehmen.“

Es sei aber keine Lösung, Tätigkeiten von Pfarrern durch den stärkeren Einsatz von Laien zu ersetzen. So wäre es möglich, Laienprediger, die es in fast jeder Gemeinde gibt, um mehr Dienste zu bitten. Das gehe nicht während einer Vakanz und erst recht nicht auf Dauer, wenn ein Pfarramt gestrichen werde. „Reduktionen sollen nicht auf Kosten der Ehrenamtlichen gehen“, sagt Zeyher entschieden. Vielmehr wolle man Pfarrer auf Dauer von Verwaltungstätigkeiten entlasten.

Aus zwei mach eins

Fusion
Die beiden jahrzehntelang selbstständigen evangelischen Kirchenbezirke Ditzingen und Vaihingen haben sich zum 1. Januar 2020 zum Bezirk Vaihingen-Ditzingen zusammengeschlossen. Das Ziel ist es, Aufgaben zu zentralisieren und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie mehr Zeit für die Seelsorge haben. So werden künftig beispielsweise die Kindergärten an einer Stelle zentral verwaltet. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass die Landeskirche immer mehr Pfarrämter streicht.

Vaihingen
Aktuell gilt in der Landeskirche der Pfarrplan 2024. Danach werden im Gebiet Vaihingen 3,5 Pfarrerstellen gestrichen, übrig bleiben 16 für 28 000 Gemeindemitglieder.

Ditzingen
In diesem Gebiet leben 31 000 Kirchenmitglieder. 2024 sollen dort noch 15 Pfarrer tätig sein; zu Beginn des Kürzungsplanes waren es noch 19. kwa




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