Trotz Unwetter steuern die Temperaturen in Stuttgart am Freitag erneut auf Rekordwerte für Mitte Mai zu. Daten unserer „Klimazentrale“ zeigen, dass das Wetter der letzten Tage ungewöhnlich heiß ist – und was eigentlich normal wäre.

Volontäre: Simon Koenigsdorff (sko)

Am Freitag sind mit rund 30 Grad in Stuttgart neue Rekordtemperaturen möglich - in Teilen der Stadt war es zu dieser Jahreszeit noch nie so heiß. Trotz des Unwetters am Donnerstagabend und möglichen weiteren Gewittern am Freitag steuern die Temperaturen damit am dritten Tag in Folge auf neue Rekordwerte zu. Das zeigt unser neues Datenprojekt Klimazentrale, in dem wir Wetterstationen der Stadt Stuttgart und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auswerten.

Die Daten zeigen auch, dass die derzeitigen Temperaturen in der Innenstadt und auf dem Schnarrenberg im historischen Vergleich ungewöhnlich heiß sind - und dass warme Sommertage über 25 Grad in Stuttgart immer häufiger werden, was auch am immer weiter fortschreitenden Klimawandel liegt.

Laut Prognose des DWD wären 29,8 Grad in Stuttgart am Freitag die drittwärmste Temperatur seit Messbeginn – nur wenige Zehntelgrad unter den Temperaturen von 1979 und 2014.

Bereits am Mittwoch waren 28,9 Grad die zweithöchste jemals gemessene Temperatur an einem 18. Mai (Rekord von 1953: 30,7 Grad). Am Donnerstag maß die Wetterstation der Stadt Stuttgart auf dem Schwabenzentrum mit 32,3 Grad sogar einen neuen Allzeitrekord für den 19. Mai. 1953 waren es noch 31,5 Grad an der ehemaligen DWD-Station Alexanderstraße.

An der DWD-Station am Schnarrenberg wären 30,4 Grad am heutigen Tag ein neuer absoluter Höchstwert seit Messbeginn.

Bereits am Mittwoch (27,5 Grad) und Donnerstag (27,2 Grad) maß der DWD am Schnarrenberg neue Rekordwerte für den jeweiligen Kalendertag – das bis dato heißeste Jahr 1971 wurde am Donnerstag sogar um mehr als ein Grad übertroffen.

Die Rolle des Klimas

Es liegt nahe, dass das aktuelle Hitzewetter neben stets möglichen Schwankungen mit der menschengemachten Erderhitzung zu tun hat – und dass die Temperaturen im Mai aus demselben Grund künftig häufiger auf 30 Grad und mehr steigen. Aktuell ist es bereits deutlich wärmer, als es die heutige Eltern- und Großelterngeneration in ihrer Jugend meistens erfahren hat. Das zeigt der Vergleich der Temperaturen der letzten Tage mit dem Normalbereich der Jahre 1961 bis 1990.

Neues Angebot für unsere Leser: Ist das Wetter an Ihrem Ort normal?

Die folgenden beiden Diagramme zeigen die Tageshöchsttemperatur des heutigen und der vergangenen 30 Tage (rote Linie) und vergleichen sie jeweils mit demselben Tag in den Jahren 1961-1990. Liegt die aktuelle Temperatur über dem grauen Normalbereich und damit der Mehrheit der Vergleichstage, ist es ungewöhnlich warm. Denn in den meisten Jahren des Vergleichszeitraums lag die Temperatur innerhalb dieses Normalbereichs.

Im Vergleich von Innenstadt und Schnarrenberg wird dabei auch deutlich, dass das Wetter bereits mehrmals im Mai diese Grenze überschritten hat:

Eine Folge steigender Temperaturen im Zuge der Klimakrise ist auch, dass sich besonders warme Tage immer mehr häufen. Um zu erkennen, wie sich die Temperaturen in Stuttgart angesichts der engen Bebauung im Kessel, zwischen der sich die Hitze staut, und der Klimakrise langfristig verändern, zählen wir deshalb sogenannte Sommertage – also Tage, an denen die Temperatur auf 25 Grad oder höher steigt.

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Wie die Trendlinie der folgende Grafik zeigt, ist die Zahl dieser Tage in den vergangenen Jahrzehnten in der Stuttgarter Innenstadt deutlich angestiegen. In diesem Jahr waren es bereits 10 Tage – insgesamt summierten sie sich im Hitzesommer 2018 beispielsweise auf 114 zwischen März und Oktober.

Betrachtet man nur den Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 18. Mai, so liegt die Innenstadt mit 10 Sommertagen ebenfalls bereits über den beiden Vergleichsperioden 1961-1990 und 1991-2020:

Klimawandel vor Ort

Mit unserem Datenprojekt Klimazentrale ermitteln wir, ob das Wetter ungewöhnlich ist – Tag für Tag, in allen Gemeinden der Metropolregion Stuttgart. Dabei richten wir den Blick immer auch auf den Zusammenhang mit der Klimakrise. Zudem berichten wir über Prognosen zum Sommer 2022, die Auswirkungen der Erderwärmung auf Baden-Württemberg und den Hitzeinsel-Effekt in der Stuttgarter Kessellage.

Wie Sie mit der Klimazentrale aktuelle und historische Wetterdaten für Ihren Ort abrufen können, erklären wir hier.

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