Wintereinbruch in Stuttgart und Region Weiße Pracht, leere Pisten und einige Blechschäden

Ein seltener Anblick: Sogar auf dem Schlossplatz liegt Schnee. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski 10 Bilder
Ein seltener Anblick: Sogar auf dem Schlossplatz liegt Schnee. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Der Schneefall in der Nacht zum Montag hatte etliche Glätteunfälle am Morgen zur Folge. Doch der Schnee hat auch seine schönen Seiten: Die Schlittenhänge locken. Wie verträgt sich der Ansturm mit den Corona-Regeln?

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Schnee bis in die Tiefen des Talkessels, das ist in Stuttgart ein seltener Anblick. Kinder und Spaziergänger erfreute die weiße Pracht. Doch der Wintereinbruch hatte auch seine negativen Seiten. Etliche Unfälle ereigneten sich in den Morgenstunden auf glatten Fahrbahnen in der Landeshauptstadt und in den umliegenden Kreisen.

Wie sah es auf Stuttgarts Straßen aus?

Die Alte Weinsteige im Stuttgarter Süden hat die Polizei, den Räumdienst und ein Abschleppunternehmen am Montag mehrere Stunden lang beschäftigt: Von 8 Uhr an bis zur Mittagszeit ging dort nichts mehr nach einem Unfall mit zehn beschädigten Autos. Gegen 8 Uhr war ein Kleinlastwagen ins Rutschen geraten, der stadteinwärts bergab fuhr. Auf Höhe der Hausnummer 58, kurz vor der Haigststaffel, geriet der Wagen ins Rutschen. Er prallte gegen einen vor ihm fahrenden Transporter, der auf die Schienen der Zahnradbahn geschoben wurde. Danach rutschte der Lastwagen weiter gegen geparkte Autos. Verletzt wurde niemand. Die Straße war zeitweise in beide Richtungen gesperrt, stadteinwärts bis 13 Uhr.

Auch weitere Steigungsstrecken wurden am Montagmorgen zumindest vorübergehend dicht gemacht, wenn der Räum- und Streudienst noch nicht da war. Insgesamt zählte die Polizei 50 Glätteunfälle.

Wie war die Lage in der Region?

Im Rems-Murr-Kreis kam es ebenfalls zu etlichen Unfällen, bei denen zwar niemand verletzt wurde – der Sachschaden beläuft sich jedoch auf weit über 60 000 Euro. In Winnenden geriet beispielsweise eine Mercedes-Fahrerin ins Rutschen, sie prallte gegen einen entgegenkommenden Mini und dann gegen einen Brückenpfeiler. Mit 26 Unfällen bis 9 Uhr machte sich der Winter im Landkreis Esslingen bemerkbar. Der folgenschwerste: In Esslingen rutschte ein Autofahrer am Morgen frontal gegen einen Linienbus. Es blieb beim Blechschaden. Im Landkreis Ludwigsburg und im Kreis Böblingen zählte die Polizei zusammen 65 Unfälle. Kurz vor 6 Uhr wurde ein Autofahrer auf der Autobahn 81 zwischen Ludwigsburg-Süd und Zuffenhausen mit seinem Wagen gegen ein anderes Auto geschleudert. Er musste vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Im Landkreis Göppingen ereigneten sich in den Morgenstunden 20 Glätteunfälle, nur in einem Fall in Salach wurde eine Motorrollerfahrerin leicht verletzt.

Winterfreuden in der Corona-Zeit?

Selten hat es in der Region Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb so viel geschneit wie in diesem Winter. Zwischen den Jahren hatte dies zu Menschenmassen und Corona-Verstößen an einigen beliebten Orten geführt. Nun scheint der Andrang etwas nachzulassen. Ein wenig kann Matthias Winter deshalb durchatmen. In den vergangenen Tagen verwendete der Bürgermeister von Römerstein (Kreis Reutlingen) nicht mehr Wörter wie „katastrophal“ oder „überbordend“, um die Lage in Römerstein und am Skilift Donnstetten zu beschreiben. „Am Samstag standen laut der Polizei zwischen 70 und 80 Fahrzeuge auf dem Parkplatz am Skilift, am Sonntag waren es rund 120 Autos“, sagt Winter. „Das war ein deutlich geringeres Personenaufkommen, als es schon einmal der Fall war.“ Zwischen den Jahren seien es teilweise bis zu 300 Fahrzeuge gewesen.

Skilifte sollten gemieden werden

Das Nachziehen der Politik in den vergangenen Wochen hält Matthias Winter für richtig. Seitdem sich ein Haushalt nur noch mit einer einzelnen anderen Person treffen darf, sieht er nur noch selten große Gruppen in seiner auf 900 Meter gelegenen Gemeinde. „Und der Reiz hat etwas nachgelassen“, glaubt er. „Man hat inzwischen Wintersport in allen Facetten erleben können.“

In Sindelfingen (Kreis Böblingen) steht seit Jahresbeginn immer dann Sicherheitspersonal bei dem Skihang am Grillplatz, wenn die Witterung zum Rodeln einlädt. Die Sicherheitsleute achteten darauf, dass die Corona-Maßnahmen eingehalten werden, erläutert Nadine Izquierdo, Sprecherin der Stadt Sindelfingen. Zwar seien verschneite Hügel nach wie vor ein Anziehungspunkt, jedoch werde beobachtet, dass viele Familien „gezielt nach ruhigeren Orten suchen und beim Toben im Schnee weitestgehend die Abstände einhalten“, sagt Izquierdo.

„Einerseits wurde das Thema der überlaufenen Winter-Hotspots ja zuletzt vermehrt kritisch in den Medien thematisiert. Wir gehen davon aus, dass das zu einer teilweisen Sensibilisierung der Menschen geführt hat“, sagt Julia Metzmann, die Sprecherin des Tourismusverbands Schwäbische Alb. Zudem seien seitens der Politik entsprechende Konsequenzen angedroht worden. Und auch der Tourismusverband habe reagiert und „bestimmte ‚Hotspots‘ aus dem Kommunikationsfokus genommen“.

Nach wie vor gelte aber die Bitte, dass man beliebte Orte meiden und zum Schlittenfahren auf andere Hänge ausweichen solle. „Die Alb ist groß genug für alle, und es ist doch auch reizvoll, seinen ganz eigenen ‚Alb-Geheimtipp‘ und die einzigartige winterliche Stille zu entdecken“, meint Julia Metzmann.

Bleibt der Winter?

Es ist ein kurzes Gastspiel gewesen: Nach Schneeschauern setzt im Laufe des Dienstags jedoch die Schmelze ein. Von Donnerstag an steigen die Temperaturen, und es kann regnen, meldet der Deutsche Wetterdienst.




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