Wortkino und Kultursommer im Osten Viel los im Wortkino und am Lukasplatz

Von Armin Friedl 

Erinnerungen von Dein Theater an die 1990er Jahre – Premiere am 28. August mit „Hölderlin“ in der Werastraße

Szene aus „Buschwerk“, das Stück über Wilhelm Busch von Dein Theater mit Norbert Eilts Foto: Dein Theater/Katja_Ritter
Szene aus „Buschwerk“, das Stück über Wilhelm Busch von Dein Theater mit Norbert Eilts Foto: Dein Theater/Katja_Ritter

Stuttgart - Die Kulturinteressierten im Stuttgarter Osten sind sich einig: Der Kultursommer bei der Lukaskirche ist ein ganz großer Erfolg. Sie wünschen sich schon jetzt mehr davon: Entweder bereits noch jetzt über den 13. September hinaus. Oder spätestens eine Wiederholung im nächsten Sommer. Was aus der Not der Corona-Zeit heraus entstanden ist, eben die Überlegung, notleidenden Kulturschaffenden wenigstens eine kleine Möglichkeit zum Auftreten zu geben, ist ein voller Erfolg geworden, zugleich eine willkommene Belebung des Stadtteils.

Auftrittsmöglichkeiten sind dringend notwendig

Und die beteiligten Einrichtungen, das Theater Tredeschin, La Lune und Dein Theater, sind ebenfalls sehr zufrieden mit dem Kultursommer. Die Zusammenarbeit funktioniere hervorragend, so der Tenor. Denn bisher habe es solch eine Kooperation der drei noch nicht gegeben.

Diese Auftrittsmöglichkeiten sind aber auch bitter notwendig. Dein Theater etwa spielt schon seit vielen Jahren durchgehend in den Sommerferien in dem eigenen Raum, dem Wortkino in der Werastraße. Das geht auch jetzt wieder, sogar zwei mal am Tag, freilich vor maximal 15 Besuchern, nicht einmal die Hälfte der eigentlichen Betriebsgröße. Doch das ist nur die eine Säule, mit der sich das Theater finanziert. Die andere sind viele Auftritte außerhalb der Werastraße, in Stuttgart und Umgebung. Und da sieht es bedenklich aus: „Wir bekommen immer noch viele Absage für Herbst und Winter“, so Gesine Keller von Dein Theater. Und die Absagen kommen von einigen Kommunen von höchster Stelle aus dem Rathaus. Da werden aus Vorsichtsmaßnahmen eben pauschal alle öffentlichen Veranstaltungen storniert.

Dicke Mäntel anziehen fürs Theaterspiel

Dein Theater, eine Kultureinrichtung, die sich ausschließlich selbst finanziert, steht also vor schweren Zeiten. „Wir überlegen uns schon sehr intensiv, wie wir im Herbst oder Winter weitermachen können. Wenn es draußen sein muss, können wir ja dicke Mäntel anziehen. Aber für unsere Stimmen ist die kalte Luft schädlich“, meint Keller mit bitterer Ironie. Deshalb nutzt die Truppe eben jetzt schon jede Möglichkeit: Wie in den vergangenen Monaten kann Dein Theater für Auftritte im privaten Hinterhof gebucht werden, nach wie vor gibt es das poetische Zwiegespräch im Garten der Lukaskirche. Und es wird eben gespielt, beim Kultursommer und im Wortkino, freitags und samstags sind das immer jeweils drei Aufführungen an einem Tag. Im Wortkino wird derzeit sogar eine Premiere in den Sommerwochen geprobt.

In den neuen Bundesländern

Waren die Zeiten jemals schlimmer? – Ziemlich anders auf jeden Fall. Daran erinnert jetzt Keller. Sie hat einen Beitrag verfasst für das Buch „Wir sind ein Volk! Oder?“, herausgegeben von der DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier. In ihrem Beitrag schreibt sie von dem Engagement von Dein Theater in den damals neu hinzugekommenen Bundesländern. Keller: „Wir waren da sehr viel unterwegs, allein im Jahre 1990 hatten wir dort an die 100 Auftritte.“ Das waren Schulen, Unis, Theater, Kultureinrichtungen oder Heime. „Wir haben auch beispielsweise Krankenbetten dort hin transportiert oder eine komplette Großküche“, so Keller. Und kulturell sind viele spannende Momente haften geblieben. Keller: „Die Leute dort waren es sehr gut gewohnt, zwischen den Zeilen zu verstehen. Eine Geschichte wie „Die Heinzelmännchen von Köln“ von August Kopisch wurde sofort verstanden. Das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gemeinschaft – das war das ganz große Thema.“

Mit Hölderlin im Tübinger Turm

Vieles davon konnte in persönlichen Gesprächen vertieft werden, denn die Truppe – oft bis zu acht Schauspieler – nächtigte damals nicht in Hotels, sondern ist meist privat untergekommen. Bis ins Jahr 2000 war Dein Theater immer wieder in den neuen Bundesländern, dann wurde die Finanzierung dieser Aktivitäten auch durch die Konrad-Adenauer-Stiftung immer schwieriger. Keller liest aus diesem Buch am 23. August im Wortkino.

Zurück in die Gegenwart: „Hölderlin“ heißt die nächste Produktion von Dein Theater, die am 28. August Premiere hat im Wortkino. Der Anlass ist natürlich der 250. Geburtstag des Dichters und Philosophen. Der Hausautor Hans Rasch hat das Stück geschrieben, der Theaterleiter Friedrich Beyer hat es inszeniert und Norbert Eilts verkörpert Hölderlin bis zu seinem Tod im Tübinger Turm.

Und die Geistesgrößen bleiben das Thema von Dein Theater: Hermann Hesse, Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Busch, Albert Schweitzer . . . – aber auch Schlagerrevuen oder Lieder und Poesie zur Jagd sind die Themen von Dein Theater für das sommerliche Publikum bis zum 13. September. Je nachdem beim Kultursommer am Lukasplatz oder im Wortkino in der Werastraße.




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