Wut über Spritpreise Kettenbrief bei Whatsapp ruft zum Tank-Boykott auf

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Einen Tag lang nicht Tanken? Ein Whatsapp-Kettenbrief ruft zum Protest gegen die hohen Benzin- und Dieselpreise auf. Auch der Mineralölwirtschaftsverband bekommt die Wut der Autofahrer zu spüren.

Wenn sie mit einem Link versehen sind, können Whatsapp-Kettenbriefe gefährlich sein. Foto: AP
Wenn sie mit einem Link versehen sind, können Whatsapp-Kettenbriefe gefährlich sein. Foto: AP

Stuttgart - Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – die hohen Spritpreise an der Zapfsäule drücken aufs Gemüt der motorisierten Menschen. Massendemonstrationen und Straßenblockaden wegen zu hoher Spritpreise haben am Wochenende in Frankreich stellenweise sogar den Verkehr lahmgelegt. Hierzulande kursiert auf Whatsapp, Facebook und anderen sozialen Netzwerken derzeit ein fragwürdiger und äußerst unprofessionell verfasster Kettenbrief, der zu einem Boykott von Tankstellen am kommenden Montag aufrufen soll.

Der Kettenbrief strotzt vor Fehlern

Wörtlich heißt es in dem vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzenden Schreiben: „Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise Montag 26 November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen.“

Die Menschen werden in der mutmaßlichen Protestaktion dazu aufgerufen, den Text an alle Kontakte weiterzuschicken. Wer den Aufruf zu der Boykott-Aktion gestartet hat, ist wie meist bei solchen Kettenbriefen völlig unklar. Bislang gibt keine Bestätigung, dass diese Aktion tatsächlich stattfinden soll.

Erfahrungsgemäß ist bei derlei Kettenbriefen höchste Vorsicht geboten. Wenn sie mit einem Link versehen sind, können diese Nachrichten sogar gefährlich sein – und mit einem Klick darauf einen Virus zur Folge haben.

Tankstellen geht der Sprit aus

Dem Mineralölwirtschaftsverband ist der Kettenbrief bekannt. „Wir nehmen die Proteste ernst und verstehen den Ärger der Autofahrer. Allerdings haben wir es mit einer echten Engpass-Situation bei Benzin und Diesel zu tun“, sagt ein Verbandssprecher auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch. Auch der Verband nimmt die Wut der Autofahrer war, bekommt empörte Mails und böse Schreiben.

Grund für die Lieferengpässe sei vor allem der niedrige Rheinpegel. „Wegen des Rhein-Niedrigwassers ist der Transport auf dem Binnenschiff stark eingeschränkt, so dass nicht genug Ware an die Tanklager gelangen kann. Hinzu kommen ungeplante Raffinerie-Ausfälle“, sagt der Sprecher. Einzelne Tankstellen mussten den Verkauf von Benzin oder Diesel in den vergangenen Tagen zeitweise sogar ganz einstellen, weil ihnen der Sprit ausgegangen war.

Entspannung ist nicht in Sicht: „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen und Tagen nochmals verschärft.“ Die Folge seien stark gestiegene Transportkosten und Knappheitspreise. „Ohne dieses Preissignal würde die Gefahr bestehen, dass die Tankstellen flächendeckend leer laufen könnten.“ Und weiter: „Die Stationen selbst verdienen keinen Cent mehr an der Situation. Die höheren Transportkosten müssen sie weitergeben, sonst würden sie mit Verlust verkaufen müssen.“

Proteste in Europa

Wegen der Spritpreise formiert sich derzeit in einigen europäischen Ländern Widerstand. In Frankreich begannen die Proteste am Samstag. Rund 290.000 Menschen gingen landesweit auf die Straße. Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen die Reformpolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Proteste entstanden aus Internetgruppen, dabei blieben politische Parteien oder Gewerkschaften eher im Hintergrund.

Seit Jahresbeginn sind die Steuern für Diesel-Kraftstoff nach früheren Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP um 7,6 Cent pro Liter gestiegen, für Benzin um 3,9 Cent. Eine weitere Anhebung ist für 2019 geplant.

In Bulgarien haben Tausende aufgebrachte Menschen am Wochenende ebenfalls gegen gestiegene Treibstoffpreise protestiert. Die Demonstranten blockierten mit ihren Autos am Sonntag vorübergehend die beiden Autobahnen von der Hauptstadt Sofia bis zum Schwarzen Meer. Kurze Blockaden gab es auch an den Grenzübergängen zur Türkei und zu Griechenland. Demonstranten versperrten auch den Pass Petrochan im Balkangebirge.