Basketball – MHP Riesen Ludwigsburg Warum die Riesen so oft eine volle Halle haben

Packende Zweikämpfe vor vollem Haus in Ludwigsburg:   Khadeen Carrington (r.)   von den MHP Riesen gegen  James Woodard (Medi Bayreuth). Foto: Baumann
Packende Zweikämpfe vor vollem Haus in Ludwigsburg: Khadeen Carrington (r.) von den MHP Riesen gegen James Woodard (Medi Bayreuth). Foto: Baumann

An diesem Montag empfangen die Ludwigsburger Basketballer Fraport Frankfurt – vor ausverkauften Haus. Die MHP Riesen schwimmen mit ihren guten Zuschauerzahlen gegen den Trend in der Basketball-Bundesliga.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ludwigsburg - No Pirates, no Party – lautet das Motto eines Ludwigsburger Fanclubs der MHP Riesen. Doch ohne dem zu nahe treten zu wollen, gilt es doch ein kleines Veto einzulegen. Denn die Heimspiele des Basketball-Bundesligisten entwickeln sich in dieser Saison zu einem Dauermagnet, nachdem die Partien inzwischen praktisch alle ausverkauft sind. Der Marketingleiter Markus Buchmann sagt zu diesem Phänomen: „Der sportliche Erfolg ist das A und O.“

Königsklasse Fluch und Segen

Aber eben nicht der einzige Grund. Denn vor zwei Jahren, als die Riesen ähnlich gut in die Saison gestartet und am Ende Dritter der Hauptrundengruppe waren, lag der Schnitt (aktuell 3845) mit 3531 Zuschauern deutlich darunter. Und das, obwohl die Mannschaft parallel dazu auch in der Champions League für Furore sorgte mit dem Erreichen des Final Four in Athen. Doch das war Fluch und Segen zugleich. Denn dadurch entstand beim zahlenden Publikum eine gewisse Übersättigung durch ein Dutzend weiterer Heimspiele.

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Dieses Saison ist das anders, da gibt es erstmals seit Jahren keinen internationalen Wettbewerb und deshalb immer mal wieder Phasen in denen zwei, drei Wochen kein Heimspiel auf dem Programm steht. Das führt nicht gleich zwingend zu Entzugserscheinungen, aber macht zumindest Appetit auf Basketball. Zumal es inzwischen, anders als in der Vergangenheit, eben so ist, dass es am Spieltag nicht automatisch noch ein Ticket an der Tageskasse gibt. Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Außerdem wurde die Kapazität in der MHP-Arena in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgefahren. Nachdem Stehplatzbereiche in Sitzplätze umgewandelt wurden, sank das Fassungsvermögen von einst 4500 auf nun nur noch 4040. Viermal leuchtete zuletzt bereits das Schild ausverkauft an der MHP-Arena, an diesem Montag (19 Uhr) gegen Fraport Frankfurt wird es erneut so sein.

PR-Aktivitäten verstärkt

Von nichts kommt nichts. Die Verantwortlichen haben parallel zu den Spielen auch die PR-Aktivitäten verstärkt. Sei es mit dem Hochschul-Programm über den Grundschulligacup bis hin zum neu gegründeten Kids-Club, der Verein tut alles, um auf sich aufmerksam zu machen. „Unser Einzugsgebiet liegt im Radius von rund 30 Kilometern“, sagt Buchmann, wobei verstärkt auch Stuttgart ins Visier genommen wurde, das mit der S-Bahn in gut zehn Minuten zu erreichen ist. Buchmann bringt es auf den Punkt: „Wir wollen die Attraktivität des Spieltages erhöhen.“ Und zumindest zuhause ist der Tabellenzweite diese Saison ja noch unbesiegt.

Reil: Realistisch bleiben

Wobei der Vorsitzende Alexander Reil, nicht nur wegen der Niederlage am Freitag in Bamberg, betont: „Bei aller Euphorie müssen wir realistisch bleiben.“ Das Erreichen eines Play-off-Platzes wäre ein Erfolg. Aber auch Reil weiß, dass ein potenzieller Sponsor natürlich leichter zu gewinnen ist, „wenn die Halle ausverkauft ist, als wenn sie halb leer ist“. Die Riesen schwimmen damit übrigens gegen den Trend in der BBL, in der die Zuschauerzahlen leicht rückläufig sind, trotz einer immer noch beachtlichen Auslastung der Hallen von über 87 Prozent. Wobei zu bedenken ist: Kumuliert weist auch Ludwigsburg einen Rückgang auf.

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In den besten Jahren mit internationalem Wettbewerb und 17 Heimspielen kam der Verein auf mehr als 100 000 Besucher pro Jahr, weil zum Beispiel in der Saison 2017/18 allein knapp 25 000 Fans zu den Spielen der Champions League strömten. Diese stolze Zahl werden die MHP Riesen in dieser Spielzeit nicht mehr erreichen, selbst wenn sie es bis in Play-off Finale schaffen sollten. Dennoch sind die Riesen nur einer von wenigen Vereinen, die in dieser Saison nochmals zugelegt haben, um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass der Club nun im Geld schwimmt. Reil: „Die Zuschauer tragen weniger als ein Viertel zum Etat bei“ – der bei rund fünf Millionen Euro liegt. Nur zum Vergleich: Branchenprimus Bayern München hat das Vier- bis Fünffache.

19. Januar gegen FC Bayern

Und eben diese Bayern kommen zum nächsten Heimspiel (19. Januar/15 Uhr) in die MHP-Arena. Es versteht sich von selbst, dass auch dieses Spitzenspiel ausverkauft sein wird.

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