IS und soziale Medien Wie der IS soziale Medien nutzt

Von Franziska Meißner 

Hinter der streng durchgeplanten Nutzung der islamistischen Gotteskrieger der sozialen Netzwerke steckt die Erkenntnis, dass „der Krieg im 21. Jahrhundert nicht länger ausschließlich auf dem Schlachtfeld entschieden wird, sondern auch über die Medien ausgefochten wird“, wie es Islam-Experte Günther formuliert. Kommunikative Bemühungen seien für den IS mittlerweile ebenso wichtig wie militärische Strategien.

Um ihre Botschaft optimal an den Mann zu bringen, konzentrieren sich terroristische Vereinigungen wie der Islamische Staat auf soziale Medien – Twitter, YouTube, Facebook, Tumblr oder Instagram sind nur einige Beispiele. Über die sozialen Netzwerke treten die IS-Terroristen mit passgenauen Strategien an ihre Zielgruppe heran, wie ein Sprecher des Bundesamts für Verfassungsschutz auf Nachfrage mitteilte.

Wer sich durch Twitter & Co. wühlt, stößt bei der Suche nach entsprechenden Schlagworten – etwa „Khilafah“, dem arabischen Wort für Kalifat, oder „Dawla Islamiya“, der Islamische Staat – schnell auf Nutzer, die ziemlich einfach als Anhänger der IS-Ideologie zu erkennen sind. Viele User bemühen sich nicht, ihre ideologischen Vorstellungen zu verschleiern. Sie verwenden etwa die in Deutschland verbotene schwarze IS-Flagge mit weißer Schrift als Profilbild. Auch weniger bekannte Banner, die ebenfalls der generellen Dschihad-Bewegung zuzuordnen sind, finden sich häufig.

Schon die Usernamen liefern entscheidende Hinweise – etwa die diversen „Abu Bakr al-Baghdadi“s auf Twitter. Abu Bakr al-Baghdadi ist der Anführer der IS-Bewegung und selbst ernannter Kalif des Kalifats, das die Organisation Ende Juni dieses Jahres ausgerufen hat. IS-Sympathisanten posten auf Facebook Fotos von vermummten Kämpfern, die siegessicher Maschinengewehre in die Höhe recken. Bei Instagram und Tumblr sieht die Sache nicht anders aus –die Schlagwortsuche spuckt unzählige Profile und Inhalte auf, die mit IS in Verbindung stehen.

Virtuelle Einschüchterungstaktik

Emerson Brooking vom Council on Foreign Relations zufolge verfolgt die professionelle IS-Propaganda-Maschinerie zwei Funktionen: eine größere Einheit innerhalb einer global agierenden Bewegung herzustellen und westliche Sympathisanten anzulocken. Nicht zuletzt aber, so Brooking weiter, nutzten die IS-Terroristen Onlinenetzwerke, um gezielte Informationen – häufig nicht mehr als Gerüchte – zu streuen sowie Angst und Schrecken zu verbreiten. Wer den Gegner mit einer solchen Einschüchterungstaktik in die Ecke drängen kann, hat auf dem Schlachtfeld weniger zu tun. Die sozialen Netzwerke verstärken und verbreiten die Grausamkeiten der Gotteskrieger millionenfach und bieten den idealen Schauplatz für deren PR-Kampagne.

Für den IS sind soziale Medien auch ein wichtiger Weg, um neue Kämpfer zu finden. Konkrete Statistiken, wie viele IS-Anhänger über solche digitale Kanäle angelockt wurden, sind selbstredend nicht existent. Das Bundesamt für Verfassungsschutz weist Social Media bei der Rekrutierung durch den IS jedoch eine wichtige Rolle zu.

Auch Frauen – oder eher: Mädchen – sollen über soziale Netzwerke angelockt werden, wie unter anderem der publik gewordene Fall zweier österreichischer Freundinnen zeigt. Samra K. (17 Jahre alt) und Sabina S. (15 Jahre alt) aus Wien reisten im April 2014 offenbar nach Syrien und wurden dort Gerüchten zufolge mit Dschihadisten verheiratet. Ende Oktober wurden drei Mädchen aus den USA am Frankfurter Flughafen aufgehalten und zurück in ihre Heimat geschickt, die sich offenbar ebenfalls dem Dschihad in Syrien anschließen wollten. Oft posteten die Mädchen auf sozialen Netzwerken entsprechende Beiträge, so auch Sabina und Samra. Es gab jedoch Vermutungen, dass die Accounts der beiden Mädchen nach ihrer Ausreise von Islamisten gekapert worden sind.

Nicht zuletzt bieten die sozialen Medien eine Plattform, auf der Anhänger und Gegner des IS in Kontakt kommen. Besonders zivilisiert geht es dabei allerdings nicht zu, wie ein virtueller Schlagabtausch zwischen IS-Sympathisanten und US-Amerikanern auf Twitter zeigte. Unter den Hashtags #AMessageFromISIStoUS und #AMessageFromUStoISIS fallen nach wie vor gegenseitige Beleidigungen.




Unsere Empfehlung für Sie