Auf dem Königsplatz in München feiern 5000 Fans eine Party und sehen der 21-Jährigen bei ihrem Silber-Triumph zu.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Das wirklich Gute an den European Championships in München ist: Hannah Meul ist jetzt berühmt. Sie hat im Sportklettern eine Silbermedaille für Deutschland gewonnen, durfte danach einen ungewohnten Interview-Marathon absolvieren und dabei natürlich auch viel von sich erzählen. Etwa, wie sie im Alter von elf Jahren in einem Schulaufsatz aufgeschrieben hat, dass sie unbedingt Sportkletterin werden möchte. Ob und wie sich dieser außergewöhnliche Wunsch auf die Note ausgewirkt hat, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle hatte Hannah Meul diesen Lebensplan exklusiv.

Das Sportklettern wird auf ganz hohem Niveau tatsächlich noch von einem handverlesenen Kreis ausgeübt – Tendenz steigend. Mit Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im August 2016 wurde es zur olympischen Sportart und feierte 2021 in Tokio Premiere. Auch bei den nächsten Sommerspielen in Paris 2024 hat das Sportklettern seinen festen Platz. Hannah Meul findet das gut und freut sich drauf. Ihr Sport befindet sich auf dem Weg nach oben.

Dass sich die hohen Herren des IOC so milde zeigten und die Disziplin ins Programm aufnahmen, war die richtige Entscheidung. Sportklettern liegt im Trend, immer mehr überwiegend junge Menschen steigen die Wände hoch – und was es für die Zuschauer zu sehen gibt, ist spektakulär und im Hinblick auf die klassischen Disziplinen mal etwas anderes. Bestes Beispiel? Die Europameisterschaften in der bayerischen Hauptstadt.

Man muss dieser Tage nur mal in München am Königsplatz vorbeischauen, wo die drahtigen Sportlerinnen und Sportler nur einen Steinwurf entfernt von der Beachvolleyball-Anlage die Wände hochkraxeln. Es gibt offizielle Kletterwettbewerbe und Weltcup-Veranstaltungen, da schauen für gewöhnlich 100 Leute zu. Doch in München war die Kletter-Arena in den ersten Tagen ausverkauft, was bedeutete, dass Hannah Meul und ihre Kolleginnen vor 5000 Zuschauern in der Wand hingen.

Die Stimmung war gewaltig – und das Publikum fasziniert. Hannah Meul entwickelte sich schnell zum Liebling der Zuschauer – so etwas hat sie noch nie erlebt. Am Mittwoch folgte für Meul mit insgesamt 165,9 Punkten in der internationalen Premiere der neuen olympischen Kombination aus Bouldern und Lead Platz vier. Die Volksfeststimmung am Königsplatz hat ihr auf dem beschwerlichen Weg nach oben einen Schub gegeben. Mal zog sich die 21 Jahre alte Studentin an den Fingerkuppen die Steilwand hoch, mal pendelte sie kopfüberhängend von Griff zu Griff. „Ich bin so dankbar für diese Riesenparty – es hat mir Flügel verliehen“, sagte sie nach ihrem Silber-Erfolg und war überwältigt von der Stimmung. Hannah Meul hat in München viel für die Popularität des Kletterns getan.

Zwei Kletterarten werden in München gezeigt. Die noch recht junge Wettkampfsparte Bouldern erfreut sich vor allem beim Publikum äußerst großer Beliebtheit. Das Klettern erfolgt an einer künstlichen Wand in Absprunghöhe ohne Seil. Stürze werden von Weichbodenmatten abgefedert – und wenn einer abfliegt, dann ist das immer irgendwie unterhaltsam. Um die von den Routenbauern gesetzten Boulderprobleme zu lösen, sind akrobatische Bewegungen, dynamische Sprünge und ungewöhnliche Körperpositionen notwendig. Die Kletterart Lead wird dagegen mit Seil an zehn bis 20 Meter hohen Kunstwänden ausgeübt. Das Ziel ist, eine Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern und höher als die Konkurrenz zu klettern.

Der große Erfolg dieser Disziplinen in München wird beim Deutschen Alpenverein (DAV) mit Freude wahrgenommen. Dort hofft man, dass solch eine Multi-Europameisterschaft langfristig einen Platz im Sportkalender bekommt und damit das Klettern populärer wird. „Wir sind sehr glücklich über dieses Format. Die Sportarten befruchten sich gegenseitig. Weitere Events in diesem Format wären uns willkommen“, sagt DAV-Sportdirektor Martin Veith.

Die generierte Aufmerksamkeit sei ein Benefit, der allen Sportarten zugutekomme – in München insbesondere dem Klettern und Hannah Meul von der Alpenverein-Sektion Rheinland-Köln. Denn die kennt jetzt fast jeder.