Höfinger Ortschaftsräte fordern mehr Tempo-30-Zonen und eine intensivere Verkehrsüberwachung.

Leonberg - Eine „Sitzungsvorlage in Telefonbuchstärke“ hat der Stadtplaner Norbert Geissel den Höfinger Ortschaftsräten zum Thema Lärmaktionsplan in der jüngsten Sitzung präsentiert. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mussten sich die Höfinger Räte mit diesem Thema befassen. In der Januar-Sitzung hatte es der Planungsausschuss von der Tagesordnung genommen und die Verwaltung beauftragt, bei der Lärmaktionsplanung die Grenzwerte um fünf Dezibel abzusenken. Wie sehr das Thema Lärm die Höfinger umtreibt, zeigt sich daran, dass auch im zweiten Durchgang fast eine Dreiviertelstunde darüber diskutiert wurde.

Stadtplaner Geissel wies zunächst darauf hin, dass die Absenkung der Grenzwerte von 70 auf 65 Dezibel tagsüber und von 60 auf 55 Dezibel nachts dazu führe, dass sich die Zahl der Betroffenen in Leonberg versechsfacht habe. In Höfingen seien tagsüber 87 Einwohner Lärm jenseits des Grenzwerts ausgesetzt, nachts sogar 125. Beim durch Schienenverkehr verursachten Lärm seien es nachts sogar 355.

Zuschüsse für neue Fenster

Die betroffenen Gebäude liegen vor allem in Ost-/West-Richtung an der Pforzheimer und Ditzinger Straße, in Nord-/Süd-Richtung in der Hirschlander Straße und Am Schlossberg. Als kurzfristige Maßnahmen für die Pforzheimer Straße sei bisher schon eine Ausweitung der Tempo-30-Zone nach Westen bis etwa in Höhe von Hausnummer 60 vorgesehen, die von einer gleichzeitigen gelegentlichen Geschwindigkeitsüberwachung begleitet werde. Langfristig seien die Verwendung von lärmarmem Asphalt bei den anstehenden Straßensanierungen sowie die Sanierung und bauliche Umgestaltung der Pforzheimer Straße und der Straße „Am Schlossberg“ geplant. „Da in einem Bereich der Ditzinger Straße Tempo 30 gilt, bleibt dieser unter den Grenzwerten“, führte Geissel weiter aus.

Ein weiterer neuer Punkt im Lärmaktionsplan: Das kommunale Lärmschutzfensterprogramm wird auf mehr Häuser ausgedehnt. Wer seine Fenster austauscht, bekommt Zuschüsse. Mit Blick auf die beiden Gemeinderäte Dirk Jeutter (CDU) und Klaus Wankmüller (Grüne) im Ortschaftsrat appellierte der Stadtplaner Geissel: „Angesichts einer Versechsfachung der Betroffenen im neuen Lärmaktionsplan bitte ich Sie, dass Sie im Gemeinderat ein entsprechendes Budget bereitstellen.“

Keine neue Tempo-30-Zone

Der angesprochene Dirk Jeutter wollte wissen, ob es abgesehen vom Lärmschutzfensterprogramm, „bei dem die Hauseigentümer ja auch mitmachen müssen“, nicht noch weitere Möglichkeiten gebe. Svenja Veric vom Ingenieurbüro Soundplan, mit dem das Stadtplanungsamt zusammenarbeitet, erklärte: „Die Einrichtung einer weiteren Tempo-30-Zone kommt nicht in Betracht, dazu sind höhere Grenzwerte und eine höhere Anzahl von Betroffenen erforderlich.“ Möglich sei außerdem auch die Verwendung von Flüsterasphalt, was aber nur eine langfristige Maßnahme bei entsprechenden Sanierungsarbeiten sei.

Überlebenstraining auf der Straße

FDP-Rätin Ursula Schmidt regte an, zusammen mit den Stadtwerken über ein Stadtticket oder andere Maßnahmen des öffentlichen Personennahverkehrs nachzudenken. „Abends winden sich ganze Autoschlangen durch Höfingen, und in fast jedem Fahrzeug sitzt nur eine Person“, erklärte sie ihre Beobachtungen. Das habe auch mit Rücksichtnahme auf und der Schädigung von anderen Personen zu tun. „Manche Leute witzeln beim Überqueren der Straßen in Höfingen: ,Jetzt üben wir uns mal wieder im Überlebenstraining’“.

Regelmäßige Verkehrsüberwachung

Stadtplaner Geissel wies darauf hin, dass ein Teil des Lärmaktionsplanes auch eine Resolution sei, der zufolge sich die Stadt bei überörtlichen Themen mit anderen Kommunen und Institutionen abstimmen wolle. Dazu gehöre etwa, dass man beim Regierungspräsidium auf ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern (Baustellenbetrieb) beziehungsweise 100 Stundenkilometern (Normalbetrieb) auf den Leonberger Autobahnabschnitten drängen wolle.

Klaus Wankmüller (Grüne) forderte, ein politisches Signal von Höfingen auszusenden und beantragte, den Plan in zwei Punkten zu ändern: Zum einen solle die Verkehrsüberwachung in der Pforzheimer Straße nicht nur „gelegentlich“ stattfinden, sondern regelmäßig mindestens einmal pro Monat. Zum anderen sollten 30er-Zonen auch auf solche Gebiete ausgeweitet werden, in denen die Grenzwerte von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts nicht überschritten werden. Dies fand großen Beifall unter den Räten. Sie stimmten dem Lärmaktionsplan mit diesen Änderungen einstimmig zu.

Info: Hier ist Lärmschutz geplant

Fenster
Entlang der Abschnitte mit Handlungsbedarf können Hauseigentümer Geld für neue Lärmschutzfenster erhalten.

Weitere Maßnahmen
Feuerbacher Straße und (einspurige) Eltinger Straße, große Kreuzung Gebersheim: Tempo 30, Flüsterasphalt, Umgestaltung. Zweispurige Eltinger Straße sowie Brennerstraße: Flüsterasphalt, eventuell Umbau und weniger Spuren. Grabenstraße: Tempo 30. Bahnhofstraße und Neue Ramtelstraße: Flüsterasphalt. Leonberger Straße/Glemseckstraße und Römerstraße: Flüsterasphalt, Umgestaltung. Stuttgarter Straße: Lärmschutzfenster. Pforzheimer Straße und Schlossberg: Ausweitung Tempo 30, Sanierung, Flüsterasphalt und Umgestaltung.

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