Max Kepler erobert die USA Lieber Baseball als Ballett

Max Kepler greift für  die Minnesota Twins zum Schläger.  Foto: AP
Max Kepler greift für die Minnesota Twins zum Schläger.  Foto: AP

Max Kepler von den Minnesota Twins ist der erste deutsche Stammspieler in der US-Profiliga MLB. Der Club setzt große Hoffnungen in den 24-Jährigen, den er 2009 zum teuersten europäischen Talent machte.

Sport: Gerhard Pfisterer (ggp)
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Stuttgart - Schon als seine Mutter Kathy ihn einst jeden Dienstag in Berlin zur musikalischen Früherziehung brachte, hat Maximilian Kepler-Rozycki Schwanensee und Nussknacker eine kategorische Absage erteilt. „Ich werde niemals tun, was du und Papa tun“, teilte er ihr unumwunden mit. Und er hat Wort gehalten: Statt Ballettstar zu werden wie seine Eltern, ist er auf gutem Wege, ein Baseballstar zu werden. In den USA, dem Mutterland der Sportart.

Der heute 24-Jährige ist der erste deutsche Stammspieler in der US-Profiliga MLB, in der die verkürzte Namensform Max Kepler gebräuchlich ist. Am Sonntag beginnt die neue Saison mit den ersten drei Spielen, am Montag startet dann der Deutsche mit den Minnesota Twins gegen die Kansas City Royals in die Runde.

Die Hoffnungen beim schlechtesten Team der vergangenen Spielzeit ruhen auf dem sogenannten Outfielder Max Kepler und seinen ebenso talentierten Nebenmännern Byron Buxton und Eddie Rosario. „Es wird aber kein Druck auf uns gemacht. Uns wurde gesagt, wir sollen einfach ohne Sorgen spielen und da draußen Spaß haben“, sagt der Berliner, dessen Trikot sich zuletzt bei den Twins am besten verkaufte.

Der Sohn der gebürtigen Texanerin Kathy Kepler und des gebürtigen Polen Marek Rozycki ist ein sportliches Multitalent. Er war Fußballtorwart in der Jugend von Hertha BSC und bekam ein Stipendium der Steffi-Graf-Stiftung angeboten. Doch letztlich entschied er sich für Baseball, das er an der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule kennengelernt hatte. Bereits mit 16 wechselte er 2009 zu den Minnesota Twins, denen seine Unterschrift 800 000 Dollar Handgeld wert war – es war der bis dahin höchste Betrag, den je ein Club für ein europäisches Talent ausgegeben hatte.

Max Kepler soll zum Vorbild für andere deutsche Talente werden

Spieler vom Entwicklungskontinent Europa zu verpflichten, ist ein Risiko. Es wird hier aufgrund des Wetters und der Ligenstruktur nicht so viel Baseball gespielt wie in Nord- und Lateinamerika oder auch teilweise in Asien. Das Niveau ist viel, viel niedriger. „Er hat es gut getroffen. Den Minnesota Twins war bewusst, dass er mehr Zeit braucht für seine Entwicklung als andere. Sie haben ihm eine Chance gegeben, und er hat sie genutzt“, sagt Dirk Fries, der Sportdirektor des Deutschen Baseball und Softball Verbandes (DBV).

Der ehemalige Nationalspieler und frühere Co-Trainer der deutschen Auswahl kennt Max Kepler beispielsweise von der Weltmeisterschaft 2011 in Panama oder der Qualifikation zum World Baseball Classic- 2012 in Regensburg. Er beschreibt den 1,94-Meter-Mann als höflichen, zurückhaltenden Kerl. „Max ist niemand, der sich in den Mittelpunkt stellt“, sagt Dirk Fries.

Er verfolgt den Weg des deutschen Ausnahmetalents genau – auch aus beruflichem Interesse. „Wir sehen ihn als Vorreiter und Beispiel dafür, dass es möglich ist, den Sprung aus Deutschland nach ganz oben zu schaffen. Das verleiht unseren Talenten Motivation, da bin ich mir ganz sicher“, sagt Dirk Fries, der seit Anfang März 2015 DBV-Sportdirektor ist. „Es verschafft unserem Sport noch mehr Aufmerksamkeit, die können wir gut gebrauchen.“

Drei Homeruns in einem Spiel

Mit seiner Mutter zog Max Kepler 2009 in die USA, machte den Schulabschluss und arbeitete sich durch das Ausbildungssystem der Minnesota Twins mit diversen Nachwuchsteams auf verschiedenen Leveln nach oben. Die Selektion ist gnadenlos. Wer seine Leistung nicht bringt, wird aussortiert. Aber das größte deutsche Talent in der Geschichte des Baseballs setzte sich durch. Vielleicht auch dank der Disziplin und Detailversessenheit, die ihm seine Eltern auf der Bühne der Deutschen Oper in Berlin vorgelebt hatten.

2015 bestritt Max Kepler am Ende der Saison seine ersten drei MLB-Spiele, 2016 absolvierte er 113 der 162 Partien in der Hauptrunde. Dabei gelang ihm am Schlagmal insgesamt 17-mal ein sogenannter Homerun, bei dem der Ball zu einem direkten Punktgewinn aus dem Stadion geschlagen wird. Mit seinem ersten überhaupt entschied und beendete er Mitte Juni die Partie gegen die Boston Red Sox (7:4) in der Verlängerung.

Sechs Wochen später schaffte Max Kepler gegen die Cleveland Indians gleich drei Homeruns in einer Begegnung, was nur sehr selten vorkommt. Mancher TV-Kommentator hat mittlerweile sogar schon extra die deutsche Abschiedsfloskel „Auf Wiedersehen“ gelernt, um den Ball auf dem Weg aus dem Stadion passend begleiten zu können.

Verbesserungsbedarf gibt es noch bei der Trefferquote, die 2016 bei nur 23,5 Prozent lag. Für dauerhaften Erfolg, den großen Durchbruch wird Max Kepler ihn um etwas steigern müssen. „Er steht an der Schwelle und hat alle Voraussetzungen, in der MLB zu bleiben“, sagt Dirk Fries. „Alles, was man aus dem Club raus mitbekommt, glauben die Twins, dass er ein Eckpfeiler für die nächsten Jahre sein kann.“ Ihre Risikobereitschaft scheint sich auszuzahlen.

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