Schleichweg bei Leinfelden-Echterdingen Die Alte Poststraße bleibt ein Aufreger

Von Ralf Recklies 

Spätestens zur Krötenwanderzeit ploppt das Thema wieder hoch: dass auf der eigentlich gesperrten Alten Poststraße durch den Wald zwischen Leinfelden-Echterdingen und Steinenbronn viel gefahren wird. Es scheint kompliziert zu sein...

Damit die Zahl der durch Autos getöteten Kröten klein bleibt, soll die Alte Poststraße   für Autos komplett voll gesperrt werden  – aber wohl erneut nur vorübergehend. Foto: Leonie Schüler
Damit die Zahl der durch Autos getöteten Kröten klein bleibt, soll die Alte Poststraße für Autos komplett voll gesperrt werden – aber wohl erneut nur vorübergehend. Foto: Leonie Schüler

Leinfelden-Echterdingen - Vorerst nichts Neues bei der Alten Poststraße in Leinfelden-Echterdingen. FDP-Stadtrat Wolfgang Haug hat die „fast unendliche Geschichte“ inzwischen einerseits satt, andererseits will er das Thema aber auch nicht ruhen lassen. War die Straße zwischen 1753 und dem Ende des 20. Jahrhunderts Teil der wichtigsten Verkehrsachse zwischen Stuttgart und Tübingen, so ist das Verkehrsaufkommen dort inzwischen oft überschaubar. Haug hätte aber nichts dagegen, wenn die Zahl der dort verkehrenden Autos auf Null sinken würde – Anlieger ausgenommen. Und dies nicht nur zur Zeit der Amphibienwanderung. Haug kämpft seit langer Zeit dafür, dass die Alte Poststraße ganz für den Verkehr gesperrt wird. Vor allem, weil die Autofahrer, die die Straße nutzen, „meist viel zu schnell unterwegs sind“, sagt der Kommunalpolitiker.

Bei seinem Kampf für mehr Schutz, „nicht nur für die Kröten, sondern auch für die Menschen“, fühlt er sich von der Stadt L.-E. mitunter etwas alleingelassen. Zumindest mangelt es Haug an Informationen, „wie viele Autos dort fahren und wie schnell“, sagt er und bemängelt: „Offiziell haben wir keine Kenntnis darüber, wie der Stand der Dinge ist.“

Offenbar ist der Dialog schwierig

Mit dem Stand der Dinge meint Haug auch den offenbar schwierigen Dialog der Stadt mit Anrainern. Zwar habe die Stadt für einige Tausend Euro eine Schranke am Weg errichten lassen, um den Verkehr an der Durchfahrt zu hindern – meist stehe diese aber offen. Nicht zuletzt die Stäblers als Inhaber der Schlösslesmühle konnten sich bislang für eine Dauersperrung der Alten Poststraße nicht begeistern. Ende 2019 habe es ein Gespräch zwischen der Stadt L.-E. und der Familie Stäbler gegeben, sagt Rechtsanwalt Christian Heieck, der die Stäblers in der Sache vertritt. Bis Ende dieses Monats will er der Stadt eine Stellungnahme zukommen lassen, wie es beim Thema Alte Poststraße aus Stäblers Sicht nun weitergehen soll. Vorab will man sich dazu aber nicht äußern.

Auch bei der Stadt L.-E. gibt man sich zurückhaltend. Gerd Maier, Leiter des Bürger- und Ordnungsamts, sagt nur: „Der aktuelle Stand ist, dass aufgrund der bevorstehenden milden Witterung die Sperrung zum Schutz der Krötenwanderung in den nächsten Tagen wieder angeordnet wird. Zu den Gesprächen mit den Anliegern werden wir uns zu gegebener Zeit äußern.“

In Steinenbronn wird eine Sperrung kritisch gesehen

Auch in Steinenbronn wird das Thema von Verwaltung und Gemeinderäten mit Interesse verfolgt. Grundsätzlich wird dort eine dauerhafte Sperrung der Alten Poststraße allerdings eher kritisch gesehen, wie eine Diskussion jüngst im Gemeinderat zeigte.

Wolfgang Haug wäre es auch lieb, wenn auf eine Sperrung verzichtet werden könnte. „Aber oft rasen die Autos da nur so durch“, sagt der Echterdinger, der kürzlich mit seinem Auto einer schwarzen Limousine gefolgt ist, deren Rücklichter er bald schon nicht mehr sah. Haug erinnert sich noch an die letzten Ziffern auf dem Nummernschild: 007. „Da war wohl James Bond im Einsatz“, kommentiert Haug das Erlebnis hörbar verärgert. Aus gutem Grund: Bei einem Spaziergang am Montag hat er einige Kröten entdeckt, die bereits Opfer des Verkehrs geworden sind. Getrost dem Bond-Film-Titel von 1973: „Leben und sterben lassen“.




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