InterviewSpaßkandidaten bei Bürgermeisterwahlen „Gescheitert ist man erst, wenn man aufgibt, und ich gebe nicht auf“

Von Judith Sägesser 

Der 58-jährige Ulrich Raisch bewirbt sich immer wieder als Bürgermeister. Geklappt hat es bisher noch nicht. Was treibt einen Menschen wie ihn an?.

Ulrich Raisch bei der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl in Gerlingen. Foto:  
Ulrich Raisch bei der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl in Gerlingen. Foto:  

Stuttgart - Ulrich Raisch ist unermüdlich. Der 58-jährige gebürtige Degerlocher, der heute in Heslach lebt, hat sich bereits in etlichen Gemeinden um den Bürgermeister-Posten beworben. Dauerkandidaten wie er haben sich erst gerade wieder Kritik vom Verband der Baden-Württembergischen Bürgermeister eingefangen. Was treibt den Mann an, der Pianist, Musiker und Musikpädagoge ist?

Herr Raisch, am 1. Dezember sind Sie bei der Bürgermeisterwahl in Gerlingen angetreten – und gescheitert?

Ich bin nicht gescheitert, gescheitert ist man erst, wenn man aufgibt – und ich gebe nicht auf.

Wie viele Stimmen haben Sie bekommen?

85 Stimmen.

Der wie vielte Versuch war das, Chef in einem Rathaus zu werden?

Gerlingen war zeitgleich mit Brackenheim Bürgermeister-Kandidatur Nummer 46 und 47. Das sind übrigens auch keine Versuche, sondern es ist Flaggezeigen für nachhaltige und generationengerechte Gemeindeentwicklung, insbesondere mit Best-Practice-Beispielen wie dem Berliner Musikkindergarten – wie im Youtube-Video in Sachsenheim Anfang 2019 zu sehen.

Vielfachkandidaten wie Sie nennt man ja auch Dauer- oder Spaßbewerber, wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

Ich bin Bewerber beziehungsweise Kandidat – und sonst nichts, ebenso wie jede andere Bewerberin und jeder andere Bewerber beziehungsweise Kandidatin und Kandidat auch.

Wollen Sie die anderen ärgern mit Ihren Kandidaturen, oder meinen Sie es wirklich ernst?

Selbstverständlich ist jede Bewerbung beziehungsweise Kandidatur subjektiv ernsthaft. Ansonsten verlöre man jede Glaubwürdigkeit. Und es wäre das von Wählerinnen und Wählern entgegengebrachten Vertrauens nicht wert. Meine Wählerinnen und Wähler wissen ganz genau, dass ich auch objektiv geeignet bin.

Der Verband der Baden-Württembergischen Bürgermeister hat jüngst gefordert, gegen Dauerkandidaten wie Sie vorzugehen. Weil Sie der Demokratie schaden würden.

Es gibt kein einziges ernst zu nehmendes Argument gegen meine Person. Auch der Ditzinger Oberbürgermeister Makurath, der Chef des Verbands, hat noch nichts Stichhaltiges gegen meine Person vorgebracht.

Ihre nächste Kandidatur ist sicher bereits in Arbeit, oder?

Ja, Freudental im Landkreis Ludwigsburg hat seine Bürgermeister-Stelle am 22. November 2019 annonciert. Das wird meine Bürgermeister-Kandidatur Nummer 48.

Glauben Sie noch dran, dass es irgendwann mal klappt?

In Freudental mit Sicherheit nicht, weil sich dort der von mir hoch geschätzte Amtsinhaber wieder bewirbt.

Warum bewerben Sie sich dann überhaupt?

Ich bewerbe mich in bestimmten Gemeinden regelmäßig, eben um dort, wie eingangs schon gesagt, Flagge zu zeigen für nachhaltige und generationengerechte Gemeindeentwicklung.

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