Stiftung Warentest prüft Streichfett oder Butter – was ist besser?

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Viele Menschen schwören auf den Geschmack von Butter – und lehnen Margarine deshalb ab. Doch was ist gesünder? Die Stiftung Warentest hat 23 Streichfette geprüft. Mit interessanten Ergebnissen.

Margarine, Streichfett oder Butter – was ist gesünder, was ist klimafreundlicher? Foto: dpa/Andrea Warnecke
Margarine, Streichfett oder Butter – was ist gesünder, was ist klimafreundlicher? Foto: dpa/Andrea Warnecke

Berlin - Alternativen zu Butter sind zunehmend gefragt: Im vergangenen Jahr ist der Absatz von Streichfetten mit Buttergeschmack laut Stiftung Warentest um 20 Prozent gewachsen. Doch auch Butter ist nach wie vor sehr beliebt: Im Jahr 2018 hat jeder und jede Deutsche ungefähr 5,8 Kilogramm Butter und andere Milchfett-Produkte zu sich genommen. Stiftung Warentest hat nun die Butter-Alternativen geprüft. Wo sind die Unterschiede? Und was ist gesünder? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau haben die Tester untersucht – und wie schneiden Streichfette ab?

Streichfette bestehen – anders als rein pflanzliche Margarine – meist aus tierischen und pflanzlichen Fetten. Mischstreichfette heißen sie deshalb im Fachbegriff. Die Stiftung Warentest hat nun 23 dieser Produkte geprüft. Mit dem Ergebnis: Die meisten von ihnen verbinden den Geschmack von Butter mit den gesundheitlichen Vorteilen von Rapsöl – und lassen sich dazu besser verstreichen als herkömmliche Butter. 14 der 23 Streichfette bekamen im Test die Note „gut“. Die gute Streichbarkeit war übrigens auch der Grund dafür, dass der Konzern Arla Food im Jahr 2006 das Streichfett erfand.

Wie schnitten die Produkte ab?

Testsieger ist „Weihenstephan Die Streichzarte“ (6,35Euro pro Kilo), dicht gefolgt von „Arla Kærgården Das Original“ (8,75 Euro) und den beiden Streichzarten Arla Bio (9,95 Euro) und Meggle (7,55 Euro). Auch zwei günstige Produkte – von Aldi Süd Milfina und Rewe ja – schneiden gut ab. Preislich sind sie der Butter damit eher überlegen, heißt es im Testergebnis, vor allem geschmacklich konnten sie demnach durch eine feine Sahnenote überzeugen. Nur mit „ausreichend“ bewertet wurden dagegen die Produkte von Botterrahm und Rama mit Butter – vor allem, weil sie trotz der Werbung mit Butter und Rapsöl je 100 Gramm Inhalt fast 40 Gramm Palmfett enthalten. Außerdem würden sie nach Margarine und nur leicht nach Butter riechen, so das Urteil. Auch Produkte von Deli Reform, Norma und Netto enthielten Palmöl oder Kokosfett – ausgewiesen aber meist nur im Kleingedruckten auf der Zutatenliste.

Wie fällt der Vergleich mit Butter aus?

Butter hat einen Fettanteil von 82 bis 90 Prozent, die Streichfette im Test haben Fettgehalte zwischen 57 und 78 Prozent. Vor allem aber unterscheidet sich durch das zugesetzte Rapsöl in den Mischstreichfetten die Zusammensetzung der Fette. Butter besteht zu zwei Dritteln aus gesättigten Fettsäuren, vor allem kurz- und mittelkettige. Die wirken sich weder schädlich, noch gut auf die Gesundheit aus.

Durch das Rapsöl enthalten die Streichfette allerdings die wichtigen mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. „Die guten Fettsäuren im Rapsöl wirken nachgewiesenermaßen positiv auf die Herzgesundheit“, sagt Anke Kapels von der Stiftung Warentest. „Die Butter-Rapsöl-Kombi ist von daher gesünder als Butter pur.“ Auch das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist bei den meisten getesteten Streichfetten günstig. Einige der getesteten Streichfette enthalten aber zusätzlich zur Butter und zum Rapsöl Palmfett oder Palm- und Kokosfett. „Da sieht es mit der Fettsäureverteilung ungünstiger aus“, sagt Anke Kapels: „Palm- und Kokosfett sind vergleichsweise ungesund.“

Gibt es gesundheitliche Risiken?

Die Tester fanden in den beiden am schlechtesten bewerteten Streichfetten recht hohe Gehalte an den sogenannten 3-MCPD-Estern. Diese Fettsäureester gelten in hohen Dosen als möglicherweise krebserregend. Die Produkte von Botterram und Rama schöpfen die auf EU-Ebene diskutierten Höchstgehalte immerhin zu 80 Prozent aus. Darüber hinaus fanden die Prüfer aber keine gesundheitsschädlichen Stoffe. Schon in einem Test von Margarine im Jahr 2017 hat Stiftung Warentest festgestellt, dass gesundheitsschädliche Transfettsäuren in Margarine heute kaum noch eine Rolle spielen. Diese Transfettsäuren können entstehen, wenn flüssige Öle zu einer homogenen Masse härten.

Lesen Sie hier mehr zu den Fettsäureestern: Ist Palmöl gesundheitsschädlich?

Was ist mit rein pflanzlichen Streichfetten, also Margarine?

Der Unterschied zwischen verschiedenen Streichfetten besteht im Anteil tierischer Fette. Die sogenannten Mischstreichfette wollen eine Alternative zu Butter bieten – und enthalten daher häufig Buttermilch, Joghurt oder andere Milchfette. Margarine enthält bis zu 100 Prozent pflanzliche Fette. Auch hier kommt es allerdings darauf an, welche das genau sind. Margarine kann viel gutes Raps- oder Sonnenblumenöl enthalten, aber eben auch vergleichsweise ungesundes Kokos- oder Palmfett. Auch hier gilt es laut Stiftung Warentest also auf die Zutatenliste zu achten.

Besteht eine Margarine aus den vorteilhaften pflanzlichen Fetten, dann eignet sie sich aufgrund des hohen Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren laut der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung besser für Personen mit hohem Cholesterinspiegel als Butter. Wichtige in Butter enthaltene Vitamine werden Margarine oft zugesetzt. Das Lebensmittel ist auch eines der wenigen, dem Vitamin D zugesetzt werden darf. Kalorien sparen lässt sich zumindest mit Vollfettmargarine dagegen nicht: Auch sie enthält meist 80 bis 90 Prozent Fett.

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Wie schneiden die Pflanzenfette hinsichtlich der Klimabilanz ab?

„Was die Klimabilanz angeht, ist Butter schädlicher als Margarine“, sagt Anke Kapels von der Stiftung Warentest. Ein Kilo Butter verursacht laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg im Durchschnitt etwa 13,3 Kilogramm CO2-Äquivalente. Insgesamt haben Rindfleisch und Produkte aus Kuhmilch eine schlechte Klimabilanz. Das liegt zum einen daran, dass Rinder beim Verdauen viel klimaschädliches Methan freisetzen. „Zudem fressen viele Rinder importiertes Soja, für das Regenwälder abgeholzt werden“, sagt Anke Kapels. Auch der Wasser- und Bodenverbrauch für die Haltung und Fütterung der Rinder sowie für die Erzeugung von Milchprodukten wie Butter ist hoch.

Mischstreichfette mit einem Anteil an tierischem Fett verursachen laut dem CO2-Rechner des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg je Kilogramm etwa drei bis vier Kilogramm an CO2-Äquivalenten. Ein Kilogramm reine Pflanzenmargarine schlägt mit nur 1,78 Kilo CO2 und anderen Treibhausgasen zu Buche.

Als ökologisch problematisch wird dagegen Palmfett bewertet, weil für die Plantagen häufig Regenwald vernichtet wird. Enthält ein Streichfett also hohe Anteile von Palmöl, fällt die Bilanz deutlich schlechter aus. „Berücksichtigen muss man unter anderem auch die Transportwege der Produkte“, sagt Anke Kapels. Die Verpackung dagegen – bei Margarine immer aus Kunststoff – falle in der Ökobilanz nicht so stark ins Gewicht, heißt es von der Stiftung Warentest.

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