TVB Stuttgart / Handball-Bundesliga Zarko Peshevski – der sanfte Koloss am Kreis

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Zarko Peshevski hat vor dem Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig seinen Anteil am sehr gelungenen Saisonstart des TVB Stuttgart. Eine Annäherung an den 1,95 Meter großen und 129 Kilogramm schweren Kreisläufer.

Kreisläufer Zarko Peshevski: große Durchsetzungskraft am Kreis Foto: Baumann
Kreisläufer Zarko Peshevski: große Durchsetzungskraft am Kreis Foto: Baumann

Stuttgart - Als ob es noch eines letzten Beweises gebraucht hätte, nimmt ihm am Ende des Treffens sein Teamkollege Primoz Prost auch noch das Cantuccini von seiner Untertasse. Zarko Peshevski (29) lächelt dazu, gibt sich zurückhaltend, bescheiden, freundlich. Wie so oft in dem 45-minütigen Gespräch zwischen zwei Trainingseinheiten am Schorndorfer Marktplatz, währenddessen er nur einen doppelten Espresso zu sich nimmt.

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Damit ist der Kreisläufer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart das krasse Gegenteil von dem, was seine äußere Erscheinung erahnen lässt: kurz rasierte Haare, Vollbart, 1,95 Meter groß, 129 Kilogramm schwer. Er ist ein Bulldozer-ähnlicher Koloss – aber einer der sanften Sorte. „Zarko ist ein super Typ, der ganz anders ist, als er auf den ersten Blick wirkt“, sagt sein Trainer Jürgen Schweikardt.

Donnerstag kommt Leipzig

Der hat ihn vor der vergangenen Saison nach Stuttgart geholt. Zuvor spielte der nordmazedonische Nationalspieler ein Jahr beim ukrainischen Champions-League-Teilnehmer HC Motor Zaporozhye und war in seiner Heimat bei RK Metalurg Skopje unter Vertrag. „Ich fühle mich rundum wohl im Verein und in der Region Stuttgart. Alles ist sehr professionell, seriös, sicher – und der Saisonstart ist uns super gelungen“, sagt Peshevski vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr, Porsche-Arena/500 Zuschauer sind zugelassen) gegen den SC DHfK Leipzig in Anbetracht von 7:3 Punkten. An der Verbesserung seiner Deutschkenntnisse arbeitet er weiter hartnäckig, zur Sicherheit hat er den Slowenen Prost (seit 2013 in Deutschland) als Dolmetscher mitgebracht. Sie verständigen sich auf Serbokroatisch. Der Keeper Prost wirkt mit seinen 1,86 Metern neben Peshevski schmächtig. Der ist mit seinem Körper ideal für den Job am Kreis geeignet.

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Dort treffen Naturgewalten aufeinander. Denn die gegnerischen Abwehrrecken im Zentrum sind von ähnlicher Statur. Umzingelt von ihnen sucht Peshevski Lücken. Hände greifen nach ihm, versuchen ihn zu packen, festzuhalten, zu Boden zu bringen. Mit seinem Kampfgewicht kann er sich wehren, Sperren setzen, Freiräume schaffen für die derzeit überragenden Rückraumspieler Adam Lönn und Viggo Kristjansson oder selbst zum Abschluss kommen. „Wenn Zarko den Ball hat, dann ist er kaum zu halten“, sagt Schweikardt.

Konzentration auf den Angriff

So wie im vergangenen Heimspiel gegen den TBV Lemgo Lippe. Beim 26:26 traf Peshevski achtmal, auch beim jüngsten 30:29-Auswärtscoup in Magdeburg machte er ein gutes Spiel. „Er kommt immer besser in Fahrt“, lobt ihn der Trainer, der ihn als „Angriffskreisläufer“ bezeichnet. In der Abwehr hat er Pause. Dadurch geht er für die Hälfte der 60 Minuten den Handgreiflichkeiten mit seinen Kreisläuferkollegen aus dem Weg. Warum eigentlich? „Seine Masse gegen flinke Gegenspieler seitlich zu bewegen ist nicht so einfach“, meint Schweikardt. Der Hauptgrund aber liege in seinen vorherigen Stationen: „Da bekam er nie die Chance, sich in der Deckung zu beweisen. Ich will nicht ausschließen, dass er bei uns auch mal hinten spielt, aber das braucht Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen“, erklärt der TVB-Coach. Peshevski bestätigt das: „Vor allem zu meiner Zeit in Skopje gab es immer Spezialisten für die Abwehr, und ich bekam kaum Spielpraxis.“

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Überhaupt Skopje. In der nordmazedonischen Hauptstadt ist er aufgewachsen, dort genießt er die Sommerpause und isst nicht nur – wie während der Saison – vor allem Gemüse, Hühnchen und Pute. In Skopje pulsiert der Handball mit den beiden Topclubs Metalurg (European-League-Teilnehmer) und Vardar (Champions-League-Sieger 2017 und 2019). „Die Erfolge dieser Clubs sind der Hauptgrund, warum bei uns Handball noch vor Fußball Volkssport Nummer eins ist“, erklärt Peshevski. Und dann gibt es noch die lebende Handball-Legende Kiril Lazarov. Das Rückraum-Ass spielt mit 39 Jahren immer noch für den französischen Topclub HBC Nantes. „Er ist Gottvater, er ist der Zlatan Ibrahimovic von Nordmazedonien“, sagt Peshevski.

Freundin spielt in Rumänien

Er wirkt ausgeglichen und zufrieden. Zu seinem perfekten Glück fehlt eigentlich nur noch Freundin Marija. Sie spielt ebenfalls Handball, ebenfalls am Kreis – aber in Rumänien bei SCM Gloria Buzau. Mehrmals am Tag bleiben sie über Videoanrufe miteinander in Kontakt.

Wo ihre handballerische Zukunft liegt, ist bei beiden offen. Peshevskis Vertrag beim TVB läuft am Saisonende aus. „In Corona-Zeiten fällt das Planen schwer“, sagt Primoz Prost. Dann schnappt sich der Keeper beim Aufstehen das Mandelplätzchen – und bei seinem Teamkollegen blitzt, wie so oft, ein Lächeln auf.

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