US-Truppenabzug in Deutschland Welches wirtschaftliche Gewicht haben die US-Truppen?

Von Jan Dörner 

Ein US-Truppenabzug würde die Wirtschaft im Südwesten hart treffen, heißt es stets. Doch konkrete Zahlen zur ökonomischen Bedeutung der US-Präsenz in Baden-Württemberg kann die Landesregierung nicht nennen.

Die US-Soldaten und ihre Familien gelten als Wirtschaftsfaktor im Südwesten. Foto: dpa/Nicolas Armer
Die US-Soldaten und ihre Familien gelten als Wirtschaftsfaktor im Südwesten. Foto: dpa/Nicolas Armer

Berlin - Noch ist unklar, wann und wie der angekündigte Abzug von 9500 US-Soldaten aus Deutschland vonstattengehen soll. Allein das Bekanntwerden der Pläne von Präsident Donald Trump hatte die betroffenen Regionen aber in Aufruhr versetzt, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einem „dramatischen Einschnitt“. Hinter solchen Äußerungen steht aber nicht die Sorge, dass durch den Teilabzug Deutschlands Sicherheit gefährdet sein könnte. Die US-Truppen gelten als bedeutender ökonomischer Faktor. Wie groß ihr wirtschaftlicher Fußabdruck hierzulande ist, können die Behörden jedoch nicht beziffern.

US-Präsenz dürfte mittelgroßer Stadt entsprechen

Etwa 34 500 US-Soldaten sind in Deutschland stationiert, gut die Hälfte davon in Rheinland-Pfalz, die übrigen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Allein die US-Garnison in Stuttgart umfasst der baden-württembergischen Landesregierung zufolge rund 4500 aktive Soldaten. Hinzu kommen demnach mehr als 28 000 militärische und zivile Beschäftigte sowie deren Angehörige. 450 der Zivilangestellten sind Deutsche. All diese Menschen geben Geld aus, die Präsenz der US-Truppen zieht zudem Investitionen und Aufträge in den betroffenen Regionen nach sich. Auch Besuche von US-Touristen rund um die Truppenstandorte zählen zur ökonomischen Bilanz. Insgesamt dürfte die US-Präsenz einer mittelgroßen Stadt entsprechen.

Eine Anfrage beim Bundeswirtschaftsministerium nach der Bedeutung der US-Stationierung für die deutsche Wirtschaft bringt allerdings keine Erkenntnis. Ein Sprecher will sich erkundigen, aber dann kommt nichts mehr. Das Bundesfinanzministerium bittet, sich mit der Frage nach der generierten Wirtschaftskraft an die Bundesländer zu wenden. Doch auch diverse Stellen in Baden-Württemberg müssen passen. Dazu gebe es keine Erkenntnisse oder Berechnungen, teilt das Landeswirtschaftsministerium mit.

Landesregierung nennt keine Zahlen

Auch Kretschmanns Staatsministerium nennt keine Zahlen. Es verweist nur darauf, dass der Großteil der Angehörigen der US-Garnison außerhalb des Truppengeländes in mehr als 20 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg lebe, insbesondere in Böblingen, Esslingen, Stuttgart, Ludwigsburg, Tübingen und Calw, dort einkaufe und am gesellschaftlichen Leben teilnehme. Daneben sei die US-Garnison durch zum Teil „großvolumige Investitionsprogramme für die Region auch wirtschaftlich bedeutsam“, heißt es.

Die Suche geht weiter. Das Landesfinanzministerium empfiehlt einen Anruf beim Statistischen Landesamt. Doch auch dort bleibt die Frage nach dem wirtschaftlichen Gewicht der US-Truppen im Südwesten unbeantwortet: „Dazu haben wir nichts.“ Die Angehörigen ausländischer Streitkräfte zählen aus Sicht der Statistiker nicht zu den Einwohnern des Landes, insofern tauchen sie in der Datenbank nicht auf. Auch der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag muss mit den Schultern zucken, als ihn die Frage nach der wirtschaftlichen Bedeutung der US-Präsenz erreicht.

Auch die Kosten sind unbekannt

Wie sieht es mit den Kosten für das Land aus? Kürzlich wurde bekannt, dass der Bund in den vergangenen zehn Jahren fast eine Milliarde Euro für die Stationierung der US-Truppen in Deutschland zahlte. Im Südwesten ist das Innenministerium zuständig, aber auch das kennt keine Zahlen. In einer Antwort von Innenminister Thomas Strobl (CDU) auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion vom März heißt es dazu, wichtigen Erträgen sowohl für die öffentliche als auch für die private Hand durch die US-Stationierung stünden Aufwendungen des Landes gegenüber. „Finanzielle Auswirkungen entstehen beispielsweise in Landes- und Kommunalverwaltungen und im Aufgabenfeld der Polizei“, so der Innenminister. „Insgesamt handelt es sich hierbei um Aufwendungen, die im Zuge der allgemeinen Aufgabenerledigung anfallen und daher nicht detailliert aufgeschlüsselt werden können.“




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