InterviewAnna Cavazzini zu Plattformen „Facebook darf nicht die Regeln des Internets diktieren“

Die Europaabgeordnete Anna Cavazzini will die Macht der großen Online-Plattformen drastisch beschneiden. Foto: © European Union 2020 - Source : EP/Didier BAUWERAERTS
Die Europaabgeordnete Anna Cavazzini will die Macht der großen Online-Plattformen drastisch beschneiden. Foto: © European Union 2020 - Source : EP/Didier BAUWERAERTS

Klare Regeln für Online-Plattformen wie Facebook, fordert die Europaabgeordnete Anna Cavazzini. Gelinge das nicht, sei die Demokratie in Gefahr, sagt die Grüne Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz im Interview.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Brüssel - Nach den Enthüllungen der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen steht fest, dass die Online-Plattform für den Hass im Internet mitverantwortlich ist. Im EU-Parlament fordert die Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini aus diesem Grund einen transparenteren Einsatz von Algorithmen in Onlinenetzwerken. An die Selbstregulierung der Unternehmen glaubt sie nicht.

Warum sind die Aussagen der Whistleblowerin Frances Haugen so wichtig?

Mit den von ihr veröffentlichten Dokumenten hat Frances Haugen endlich die Beweise dafür vorgelegt, was wir jahrelang schon vermutet haben: Facebook nimmt wissentlich Schaden in Kauf, um Profit zu machen. Auf gesellschaftlicher Ebene gefährdet die Plattform unsere Demokratien und auf individueller Ebene bringt Facebook vulnerable Gruppen wie Kinder in Gefahr.

Was wollen Sie gegen die Macht der großen Internet-Plattformen unternehmen?

Wir brauchen dringend demokratische, sehr genau definierte Vorgaben für die Online-Welt. Eine private Plattform wie Facebook darf nicht die Regeln des Internets diktieren. Denn die Facebook-Files zeigen auch, dass eine Selbstregulierung der so marktmächtigen Internetgiganten nicht funktioniert.

Was ist das größte Problem?

Das größte Problem ist die Intransparenz bei den Algorithmen der großen Onlineplattformen. Das muss sich grundlegend ändern. Es muss klar sein, warum wir was auf dem Bildschirm sehen. Wir brauchen hier etwa mehr Auswahlmöglichkeiten, um selbst entscheiden zu können, ob Inhalte beispielsweise chronologisch oder von Algorithmen vorsortiert angezeigt werden.

Was macht die EU, um die aktuelle Situation zu ändern?

Mit dem Digital Services Act ist die Europäische Union auf dem richtigen Weg, um Hass, Hetze und Desinformation im Internet zu bekämpfen. Im Europaparlament gibt es viele Stimmen, die personalisierte Werbung verbieten wollen, was ich auch befürworte. Sie ist der Kern des Geschäftsmodells der Plattformen. Das Problem ist, dass es dabei nicht um Fakten, sondern um Klicks und Aufmerksamkeit geht. Facebook und andere Anbieter dürfen mit dem schnellen, von Algorithmen unterstützten Weiterverbreiten von Falschmeldungen nicht mehr ihr Geld verdienen.




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