Sumatra-Tigerin gestorben So geht es weiter mit der Tigerzucht in der Stuttgarter Wilhelma

2007: Ein Jungtier aus Dumais zweitem Wurf spielt mit ihr. Foto: Harald Löffler/Eye of the Tiger 5 Bilder
2007: Ein Jungtier aus Dumais zweitem Wurf spielt mit ihr. Foto: Harald Löffler/Eye of the Tiger

Die Sumatra-Tigerin ist fast 21 Jahre alt geworden und war damit weltweit die zweitälteste. Nun soll die Tigerzucht für zwei Jahre ruhen, bis die neuen Gehege fertig sind. Dann kommen die größten Raubkatzen der Welt: die Sibirischen Tiger.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)
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Stuttgart - Großkatzen sind ein Besuchermagnet. Ihre Größe weckt Ehrfurcht, ihre Geschmeidigkeit und Schönheit werden bewundert. Eine ihrer Art hat der zoologisch-botanische Garten der Wilhelma am Freitag verloren: Dumai, die weltweit zweitälteste Sumatra-Tigerin, ist kurz vor ihrem 21. Geburtstag gestorben. Jetzt sind bis auf Weiteres keine Tiger mehr in der Wilhelma zu sehen.

Altersschwach eingeschlafen

„Dumais Alter könnte man nach menschlichen Maßstäben mit einer Hundertjährigen vergleichen“, sagte Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin am Freitag, sie habe in der Wilhelma ein langes und gesundes Leben gehabt. Ihr Ende habe sich in den vergangenen Monaten allerdings abgezeichnet: Bis weit nach ihrem 20. Geburtstag am 17. April 2020 sei sie agil geblieben, obwohl sie altersbedingt viel Muskelmasse verloren habe. In den vergangenen Tagen aber hätte sie fast die ganze Zeit nur noch geruht und geschlafen und das Fressen und Trinken weitgehend eingestellt.

Dumai hatte fünf Tigerbabys

Die Sumatra-Tigerin stammte aus England und war im Jahr 2001 in der Wilhelma eingezogen. Von Anfang an hat sie mit dem aus Lissabon zugereisten Kater Tuan harmoniert, das Ergebnis kam 2005 zur Welt: zwei Kater. Zur Geburt hat Dumai die von den Pflegern aufgestellte Wurfbox völlig ignoriert und ihre Babys vor den Augen der Wilhelma-Gäste in der Außenanlage geworfen. Im Folgejahr schon stand die Trennung an, weil entsprechend dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm die jungen Kater und der Vater in anderen Zoos untergebracht werden mussten. Stattdessen zog Carlos aus dem Wuppertaler Zoo in die Wilhelma um, und auch ihn fand die Katze attraktiv. 2007 kamen Drillinge zur Welt, die später nach Spanien, Frankreich und Schweden gebracht worden sind. Carlos hat zwar bleiben dürfen, ist aber 2015 an einem Tumor gestorben.

Zuchtpause, bis das neue Gehege fertig ist

„Durch ihren Nachwuchs konnte sie mehrfach zum Überleben der bedrohten Raubkatzen beitragen und war als Botschafterin ihrer Art ein Aushängeschild für den Artenschutz“, so Kölpin. Entwaldung, Bauprojekte, Wilderei führen immer noch zur Bedrohung der Population. Dumais bisheriges Domizil soll nun umgebaut werden, vorübergehend für den jungen Schneeleopardenkater, dann sollen Jaguarkatzen einziehen. Die Tigerzucht hingegen ruhe zwei Jahre lang, bis ein 4000 Quadratmeter großes Landschaftsgehege am früheren Bisongelände fertig ist. „Wir rechnen 2022 mit dem Baubeginn und 2023 mit der Öffnung der Anlage“, so Kölpin. Der Wilhelma-Förderverein habe auch dafür Spenden in Aussicht gestellt, nachdem er sich bereits 2017 mit 300 000 Euro an der Anlage der Schneeleoparden beteiligt hatte und obwohl die Mitglieder derzeit nicht in den vollen Genuss ihrer Mitgliedschaft kommen: Für einen Hauptmitgliedsbeitrag in Höhe von 70 Euro hat man normalerweise ganzjährig freien Eintritt in die Wilhelma.

Wilhelma will Sibirische Tiger züchten

Im neuen Gehege wird ein Pärchen Sibirische Tiger residieren, die größten Raubkatzen der Welt. Sie können bis zu vier Meter lang und 300 Kilo schwer werden. „Sibirische Tiger entsprechen eher unserem Klima als Sumatra-Tiger, wir brauchen kein Warmhaus für sie“, begründet Kölpin die Entscheidung. Bis zu sechs Babys könnte das Paar dort aufziehen, geplant seien drei Einzelanlagen, die miteinander verbunden werden könnten. Für die Zucht der Sumatra-Katzen würden Zoos, vor allem in Südeuropa, sorgen.




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