Sport und Corona Profis und Amateure mit bangem Blick nach vorne

Leere Stadien, leere Trainingsplätze: Für die Amateure  von der Oberliga abwärts ist das Fußballjahr 2020 wie erwartet gelaufen. Foto:  
Leere Stadien, leere Trainingsplätze: Für die Amateure von der Oberliga abwärts ist das Fußballjahr 2020 wie erwartet gelaufen. Foto:  

Verlängerte Maßnahmen im Teil-Lockdown überraschen im Sport keinen: Für Amateure und Breitensportler bleibt es beim Fast-Stillstand, die Profis müssen ohne Zuschauer auskommen. Wie lange noch?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Der Sport bleibt wie erwartet mindestens bis Weihnachten im Teil-Lockdown und darf auch nach den Feiertagen nicht auf schnelle Lockerungen der Corona-Regelungen hoffen. Wir stellen die Lage in den verschiedenen Bereichen dar.

Profisport

Für die Bundesligisten im Handball, Basketball und Volleyball ändert sich nichts. Sie dürfen ihre Punktspiele austragen – nur eben weiterhin ohne Zuschauer. „Mit dieser Entscheidung haben wir gerechnet und damit können und müssen wir leben – auch wenn’s schwerfällt“, sagt Jürgen Schweikardt von Handball-Bundesligist TVB Stuttgart. Dem Trainer und Geschäftsführer tut es in der Seele weh, wenn etwa am 19. Dezember Branchenprimus THW Kiel in die Porsche-Arena kommt – und die Öffentlichkeit nur im Bezahlfernsehen dabei sein kann: „Wir halten es ohne Einnahmen in diesem Jahr durch, aber von Februar an brauchen wir dringend wieder unsere Sponsoren und Fans in der Halle, sonst wird es eng.“

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Ähnlich sehen es auch die Bundesliga-Basketballer der MHP Riesen Ludwigsburg, denen im Dezember die Einnahmen von gleich fünf Heimspielen durch die Lappen gehen. „Durch die gute Kalkulation der vergangenen Jahre können wir das Minus auffangen“, sagt Sprecher Lukas Robert. Zudem hat der Club die Zusage für knapp 700 000 Euro an Staatshilfen bekommen.

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Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart setzt neben der Unterstützung vom Bund auch auf die Hilfe der Stadt. Am 16. Dezember soll im Stuttgarter Gemeinderat darüber entschieden werden. Unabhängig davon, steht für Geschäftsführer Aurel Irion mit bangem Blick in die Zukunft fest: „Die richtigen Probleme kommen erst, wenn es an die Planung der neuen Saison geht.“

Amateursport

Wie erwartet hat der Württembergische Fußballverband (WFV) alle Spiele bis zum Jahresende abgesetzt und zwar einschließlich der Oberliga abwärts. In Staffeln mit hohen Mannschaftszahlen könnte laut WFV auch bereits im Januar wieder der Ball rollen, sollten Lockerungen beschlossen werden, die dies rechtlich ermöglichen. In der Oberliga ist im ursprünglichen Terminplan als erster Spieltag 2021 der 27. Februar vorgesehen. In Betracht kommt auch eine Verlängerung des Spieljahres bis zum 15. Juli. Um Spieltage einzusparen, ist ein neues Modell gut denkbar: Die Vorrunde wird zu Ende gespielt, danach geht es in einer Auf- und Abstiegsrunde weiter.

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Ob und wie es in der Regionalliga weitergeht, soll bei einer Videokonferenz an diesem Freitag geklärt werden. Nach wie vor befindet sich die Mannschaft des VfB Stuttgart II im Training, genauso die U-19- und U-17-Bundesligateams der Weiß-Roten. Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach nimmt nach einer einwöchigen Übungspause an diesem Freitag wieder das Training auf.

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Der Handballverband Württemberg (HVW) zurrt seine Regelungen auf dem Verbandstag an diesem Samstag fest. Schon jetzt ist klar: Einschließlich der Baden-Württemberg-Oberliga abwärts geht der Spielbetrieb frühestens Mitte Januar weiter. Allerdings soll nur die Hinrunde zu Ende gespielt werden. Diese wird dann gewertet. Bei der Jugend wird die Punktspielrunde gar nicht mehr weitergeführt. Stattdessen soll zu gegebener Zeit ein geregelter Freundschaftsspielbetrieb stattfinden. „Dann können sich die Vereine mit ihren neuen Teams auf die Qualifikationsspiele vorbereiten“, sagt Verbandsmanager Thomas Dieterich.

Breitensport

„Dass im Dezember keine Lockerungen kommen, war uns allen klar“, sagt Studio-Inhaber Tobias Unger. Der ehemalige Spitzen-Leichtathlet sorgt sich nicht nur um seine Branche, sondern vielmehr um den kompletten Breitensport – speziell den Nachwuchs. „Da trifft es doch alle sehr, sehr hart. Statt unter Anleitung zu trainieren oder sich auszutoben, sitzen die Kids vor der Konsole“, bemängelt Unger, der sich vor Februar, März keine Lockerung des Lockdowns vorstellen kann.

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